Montag, 23. Mai 2005

na prima...
einmal beim Libanesen (der mit den Palästinafahnen und den etwas fragwürdigen Bildchen) eine Art Thymian-Pide gekauft, und beim Essen komplett bekleckert. Peinlich.

Wenn das mal nicht die neue Geheimwaffe des Terrors gegen jüdische Gecken ist ;-)

... link (2 Kommentare)   ... comment


Sonntag, 28. November 2004

Typische jüdische Geschichte
Schwer gebeugt schleppt sich der Jude durch die düsteren, regennassen Strassen, vorbei an wenigen beleuchteten Fenstern - und wenn, dann sind die erleuchteten Symbole des anderen Glaubens darin zu sehen. Doch heute achtet er sie nicht, kein böses Wort über Papst oder Bischof kommt über seine Lippen, denn er hat an einer schweren Last zu tragen. Er hat sie sich m Vormittag selbst aufgebürdet, als er unter nebelverhangenem Himmel seinen Geschäften mit einem anderen Nichtchristen nachging. Ja, er hat viel zu tragen, nein, er ist nicht der Nikolaus mit dem Sack, er ist auch nicht Django mit dem Sarg und dem Maschinengewehr, nein, er ist Uceda mit der schwarzen Kiste. In seiner bescheidenen Hütte entzündet er den grossen Kronleuchter, lässt sich stöhnend auf den rund 120 Jahre alten, aber perfekt erhaltenen Bidjar-Teppich fallen, und öffnet die Kiste, die die Ursache seines Leides ist, und siehe:



Er braucht eine verdammt gute Ausrede, um seinen Eltern zu erklären, wieso er verdammt nochmal schon wieder 3 Pfund Silberbesteck von Berlins Flohmärkten anschleppt. Wenn das mit der Plünderung so weiter geht, werden sie ihn als "der jüdische Hunne" bezeichnen. Denn es ist ja nicht so, dass der Familienverbund auf der Brennsuppen dahergeschwommen ist, wie man in Bayern sagt - wozu also nochmal? Die durchaus zutreffende Behauptung, dass der Verkäufer die mexikanischen Silberpunzen nicht kannte und deshalb einen lachhaften Betrag forderte, wird es allein nicht machen. Also weicht man zwecks Ausrede auf die Religion aus, denn:

Silber spielt im Judentum eine wichtige Rolle. Es ist antiseptisch, tötet Bakterien, und diese Eigenschaft scheint das Körnchen Wissenschaft zu sein, das in vielen Regeln steckt. So ist der Sederteller an Pessach, einem traditionell extremer Reinheit verpflichteten Fest, oft aus Silber (Nur hab ich schon einen entsprechenden Silberteller, hilft also nicht als Ausrede). Gleiches gilt auch für die Bescher, die Ertrogdose oder auch den Thorazeiger - wo immer es eben auf besondere Reinheit ankommt. Auch Leuchter wurden und werden, wenn möglich, aus Silber gemacht; sowohl die Leuchter für den Shabbat als auch die sieben- und achtarmigen Leuchter. In der Synagoge findet Silber ebenfalls oft Verwendung; so sind die Thoraschilder meistens aus Silberblech gefertigt, und auch die Thoramäntel und -schreine glänzen hell vor Schmuck. Sogar am Fest der Demut, an Jom Kippur sind silberne Verziehrungen erlaubt, denn Silber ist wie weiss, und weiss ist das Symbol für Gnade. Gold dagegen hat wegen der Geschichte mit dem goldenen Kalb (*hüstel*) einen eher schlechten Ruf. Und auch banales Silberbesteck kommt den Forderungen des Religionsgesetzes entgegen, das beim Essen möglichst grosse Sauberkeit vorschreibt.

So gesehen, könnte das der Dreh sein, die Anschaffung zu erklären - wenn es nicht ohnehin mittelfristig beschlagnahmt wird; die Argumentation reicht innerhalb weniger Wochen von: "Braucht hier kein Mensch, wir haben doch schon so viel" über "Tu es halt in den Schrank, wenn da noch Platz ist" und "Ich putze das jetzt mal" und "Ich nehme das heute Mittag" bishin zum "Warum willst Du wissen wo das Besteck ist? Du willst uns doch unser weniges Silber nicht wegnehmen?" Jüdische Mütter... aber das ist ein anderes Thema.

... link (2 Kommentare)   ... comment


Donnerstag, 18. November 2004

Happa Happa
Mischfood: Jüdische Tradition meets Einwandererfest. Thanksgiving soll ja eine echte Tortour sein, was man von amerikanischen Freunden so hört. Fast so schlimm wie das, was ich von anderen am 24.12. zu hören bekomme.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Dienstag, 2. November 2004

Buffet Update
Gerade kam 1 Hostess bis zu mir mit einem Medium-Tablett durch, es gab Wraps mit Lachs - wenn das so weiter geht, kommt es noch zum Kampf zwischen meinem magen und meiner Blogger-Ehre.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Sonntag, 29. August 2004

Ägyptische Linsensuppe
Rabbiniert! Äh, will sagen, von einer Rabbinerin, äh, sagen wir besser: Rabbinese gekocht. Mal schaun, ob ich das Rezept bekomme....

Update: ich habe es natürlich bekommen. So eine Rabbinerin muss sich natürlich mit Linsensuppe auskennen, schliesslich gibt es da die Geschichte mit Esau, der seine Rechte für ein Linsengericht abgab. Jedenfalls, die Rabbinerin empfiehlt:

250 Gramm rote Linsen, getrocknet
1,5 Liter Gemüsebrühe oder Wasser
1 mittelgrosse Zwiebel
3 Knoblauchzehen
Den Saft einer Zitrone
Als gekaufte Gewürze in ziemlichen Mengen:
Koriander
Kreuzkümmel
Schwarzen Kümmel
Ausserdem Basilikum, Thymian und Oregano vom Fensterbrett.
Salz - Pfeffer sollte überflüssig sein

Die Zwiebeln und den Knoblauch hacken, in die Brühe geben. Dann die Linsen dazu und 10 Minuten köcheln lasen. Die Geürze in grosszügigen Mengen und den Zitronensaft nach 5 Minten dazutun, der Kreuzkümmel macht es scharf. Und schon ist die Linsensuppe fertig - und natürlich glatt koscher.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Mittwoch, 25. August 2004

(Pseudo)-Koschere Köstlichkeiten im Regen
1. Erkenntnis: Inzwischen wird mit "Koscheren Köstlichkeiten" Werbung für Beach Clubs gemacht. Zumundest für den Berlin Beach Club am Potsdamer Platz, der daneben mit beach Volleyball, künstlich aussehenden Palmen und Planwägen (auch koscher???) aufwartet. Blauweiss gestreiftes Multikulti. Einen - an sich zwingend vorgeschriebenen - Koscherstempel habe ich ebenso wenig gesehen wie das "Am Shabbat geschlossen"-Schild, ohne das man so einen koscheren Laden ebenfalls nicht eröffnen dürfte - Samstag ist aber offen.



2. Erkenntnis: in diesem unkoscheren "Sommer" kann man sich jeden Beach Club sparen. Auch bei freiem Eintritt und pseudokoscheren Köstlichkeiten aka israelischer Küche, und Philogeruch.

... link (2 Kommentare)   ... comment


Donnerstag, 5. August 2004

Das sind sie
Diese Bäume im Vordergrund, das sind die, auf die es ankommt, wenn man echten fränkisch-jüdischen Apfelstrudel machen will.



Die Bäume scheinen ungepflegt und verkrüppelt. Die Früchte sind klein, fleckig, dunkelgelb, weich und mehlig. Und viel zu süss im Geschmack für die Bioökopaxe, für die jeder Apfel am besten nach Zitrone schmeckt, damit man so richtig leiden kann. Es sind Äpfel, die auf den Märkten keine Chance hätten, und doch:

Man kann sie zu einem Apfelsaft machen, der alles in den Schatten stellt, was man an Apfelsaft kennt. Es schmeckt nach Sonne, purer, apfelgelber Sonne. Wahnsinn, wie das auf der Zunge tanzt.

Und man kann und muss Strudel daraus machen. Wenn man diese Äpfel bekommt. das ist nicht so leicht, wie es hier vielleicht aussieht. Auch wenn es den Eindruck macht, dass die Bäume nur noch rumstehen: Die Anwohner hier wissen genau, was sie hier haben. Allerdings freuen sie sich auch, wenn andere kommen und sie darum bitten. Besonders in diesem jahr, wo die Ernte exorbitant gut wird. In 4 Wochen geht´s los. Und dann komme ich hier wieder vorbei.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Freitag, 30. Juli 2004

Shabbat Shalom daheim,
in der tiefsten Provinz, wo sich alle freuen, wenn du kommst, denn die Sträucher sind voller Beeren, die zu Kuchen gemacht werden müssen, wenn sie nicht gleich beim Ernten gefressen werden.



*hröm* In traditionell christlichen Haushalten - wie dem des Kirchenvorstands die Strasse runter mit seinen verhuzelten Töchtern, die alle schon Mitte 20 erhebliche Mengen Kinder hatten - werden die Johannisbeeren am Johannistag, den 24. Juni geerntet - schön blöd. Erst jetzt schmecken sie so richtig süss und voller Zitronenarmoa....



Leider gibt es dieses Jahr wenig Zwetschgen, ist also Essig mit datschi bei Jude und Christ - aber die Äpfel, wow, die sehen gut aus.

Ich glaub, ich muss im Herbst öfters heim kommen.

... link (1 Kommentar)   ... comment


Dienstag, 27. Juli 2004

Real jewish Food
Nein. Wirklich koscheres Essen mit Kosher-Stempel ist die absolute Ausnahme, wie ich schon sagte. Hier als beweis: Die heutige jüdische-Single-Freundin -woanders-Geliebte-sauer-TK-Pizza, händisch verfeinert mit Champignons, frischen Tomaten, Zwiebeln, echtem Oregano und etwas Olivenöl.



Ganz normales Essen. Und mal ehrlich: Wäre es nicht grauenvoll, wenn man mit Juden immer in das gleiche, langweilige koschere restaurant gehen müsste? Schon mal versucht, Sex in einem koscheren Restaurant anzubahnen? Nu?

Ich prophezeie: Wenn nur koscher gegessen werden würde, wäre das Judentum grauenvoll langweilig! Keine Chance mehr, einen Juden um 20 uhr 12 an der Kasse kennenzulernen, der eine Tüte Tropi Frutti will. Keine Juden mehr in nichtkoscheren Discotheken - es gibt sowas zwar zum Beispiel in München, aber da geht keiner hin, weil, ich mein, es ist ja nicht so, dass man als Jude irgendwie zu wenig Judentum hätte.

Ich mache also gerne einen Beitrag über Juden beim Essen nichtkoschergestempelter TK-Pizza. Bei der Gelegenheit könnte man auch darauf hinweisen, dass in der Halacha KEIN WORT über irgendwelche Stempel steht, weil es damals schlichtweg keine Stempel gab. Es gibt Regeln, auf die soll man achten. Wenn man das tut, ist es OK. Mit oder ohne Stempel. Und diese Pizza hier ist OK.

Edit:

Gerade gefunden. Wer das anders sieht, gehe doch nach Norderstedt ins Kirchencafe zu Pastor Andreas Erler (50). Da werden Sie gekosherholfen.

... link (7 Kommentare)   ... comment


Dienstag, 22. Juni 2004

Coujewsine! Heute: Minztee nicht a la Herzl
Bald jährt sich der Todestag von Theodor Herzl, dem Erfinder und Begründer des modernen Zionismus, zum hundertsten Mal. Den assimilierten Juden in ihren Bürgerhäusern galt er als Spinner, und auch in meiner ziemlich nationalistischen Familie galt die Vorstellung, in eine britisch verwaltete Zone zu gehen und sich dort auf den steinigen Feldern die Malaria zu holen, als ausgesprochen dämlich.

Nun, meine Familie lag falsch, Herzl hatte historisch gesehen Recht. Zumindest im Kern. Womit er nicht Recht hatte, war seine Vorstellung, wie dieses Israel aussehen sollte: Eine deutsche Kolonie im Orient, mit Deutsch als Landessprache, Ultrareligiöse hatten nichts zu melden, die arabischen Bewohner waren glücklich, in so einem fortschrittlichen Staat zu leben, wo deutsche Tugenden und Kultur herrschten und nichts zu sehen war von Falafel, Thai-Strassenstrich am Busbahnhof von Tel Aviv und synthetischen Drogen in den Discos rund um Haifa.Das stinkende Kaff Jerusalem fand Herzl grauenvoll und eher verzichtbar.

Und auch das, worum es hier geht, fand in Herzls Augen sicher keine Gnade: Tee mit Minze.



Die multikulturellen Zutaten:
Eine englische Silberkanne aus der Mandatszeit in Palästina
Russische Teegläser mit Silberhalter aus der Zarenzeit
Deutsche Silberlöffel aus dem Kaiser- oder in Bayern aus dem Königreich
Echter, starker, syrischer Cai
Brauner Rohrzucker aus Ägypten
Frische Minze, gekauft beim türkischen Feinkosthändler
und natürlich gutes Wasser. Wobei die Brühe, die hier in Berlin aus dem Hahn kommt, leider kaum besser ist als Überden-Jordanwasser mit Kamel-Dung, aber was soll´s.

Pro Teeglas geben wir ein Minzeblatt in die Kanne, und einen gestrichenen Teelöffel Cai, in einem Teesieb. Das sprudelnde Wasser darübergiessen, den Tee nach 5 Minuten entfernen, die Minze aber lassen wir in der Kanne. Nach weiteren 5 bis 10 Minuten servieren wir den Tee, süssen ihn mit Zucker, lehnen uns zurück und stellen und vor, wir sässen gerade nicht fern des Strandes des Mittelmeeres, und die Sonne geht gerade unter. Ein kühler Wind aus der Hochebene Galiläas weht um die freien Schultern der Frau neben uns. Sie fröstelt in ihrem blauen Nichts von einem Kleid; wir legen ihr unser weisses Jacket um den Hals und schnuppern dabei an ihrer Haut, die nach Salz, Sonne und, zumindest in unserem Hoffen, nach Sex riecht.

... link (7 Kommentare)   ... comment