Mittwoch, 19. November 2003
(braucht man wohl, nachdem das Web voller arbeitslosem Juristengewürm ist, die glauben, mit Abmahnungen reich zu werden)
Dies ist eine private Homepage. Sie verfolgt keinerlei kommerzielle Absichten. Falls Sie also ein rechtliches oder anders geartetes Problem mit diesen Seiten haben, dann melden Sie sich bitte - Sie werden schon sehen, was Sie sich damit einhandeln.
Für Inhalte der extern verlinkten Seiten wie auch für Kommentare, die nicht ich schrieb, übernehme ich keine Verantwortung.
Da das hier nur eine Art halböffentlicher Notizblock für das Drumherum einer Radiosendung ist, ist für mich keine presserechtliche oder gar meinungsbildende Relavanz dieser Site erkennbar. Die für das Presserecht relevanten Impressumsdaten können nur aus wichtigem Grund unter folgender E-Mail-Adresse erfragt werden:
radiojew´AT´yahoo.de
Aber: Ich habe eine Schwester. Die ist Anwältin und freut sich, wenn sie dummen Quatschköpfen eine Rechnung reinwürgen kann, dass ihnen die Gedärme qualmen, Stichwort sorgfältige anwaltliche Prüfung. Jeder Versuch, mir antwaltlich blöd zu kommen, wird verdammt teuer. Und den üblichen §186-Bullshit zahlt keine Versicherung.
Bitte schalten Sie also erst mal den Kopf (oder was Sie dafür halten) ein und beachten Sie den Haftungsausschluss, der inhaltlich als Teil dieser Seiten anzusehen ist. Falls ein Praschl oder sonstein Blogger, wie bereits geschehen, was rausschnibbelt und bei sich bringt, geht Wohlwollen vor Gnade vor Recht. Aber kommerzielle Abschreiber lernen meine Schwester schneller kennen, als sie das Wort "Abmahnung" aussprechen können.
Einer kommerziellen Nutzung (unangeforderte Werbung etc.) der oben genannten E-Mail-Adresse widerspreche ich. Falls es doch jemand tut: Auch hier ist eine Abmahnung schneller da, als ein dreckiger Profiler das Wort Spam sagt.
Verstehen wir uns? Mein Motto: Austeilen statt Einstecken.

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2003 fordert Rabbi David Meir Druckman vom (glücklicherweise bedeutungslosen) politischen Arm der Chabad-Bewegung in Israel: Man solle die gedruckte Fassung der Genfer Initiative der israelischen Opposition und der PLO für den Friedensprozess verbrennen, die in den letzten Wochen in Israel an die Haushalte verteilt wurde.
Manche lernen´s nie. Mal schaun, wie lang es dauert, bis Rabbi Druckmann vergessen ist.
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Vor etwas mehr als drei Jahren war ich mal auf so einem Event. Und machte frisch medienbepreist den Fehler, mich als Radiomacher der IKG vorzustellen, anstelle meines Brotberufs. Mein Gegenüber war eine grosse Nase von Focus Online. Einer von denen, die alles und jeden für ihre differenzierte Produktstrategie brauchen, auch so a bisserl was jüdisches:
Ach so, Sie machen dieses Radio da ... Ja, hab ich gelesen. Für wen? Darf ich fragen, was die so zahlen? Sie machen das umsonst? Ah, verstehe, Charity und so, aha. Gibt es da keine Möglichkeit der Zweitverwertung irgendwo? Sie wollen das nicht? Na... naja, Radio ist sowieso auf dem absteigenden Ast. Internet ist die Zukunft. Aber wenn sie schon in Content machen, hätten Sie nicht mal Lust, bei uns vorbeizuschauen? Wir suchen dringend kreative Köpfe, die frischen Wind reinbringen, und auch Engagement, hier meine Karte...
Ein paar Bekannte sind da hingegangen, teilweise Leute mit guter journalistischer Ausbildung. Keine Ahnung, was aus ihnen wurde. Sicher keine Success Stories. Und Radio gibt es immer noch, und zwar UKW, und nicht als Audio on Demand über UMTS, wie man damals glaubte.
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Dienstag, 18. November 2003

Aber das 17. Jahrhundert ist vorbei und das 20. auch, in Israel gibt es viele nichtjüdische Immigranten, und griechisch-orthodoxe oder Buddhisten haben von Hochzeitszeremonien *etwas* andere Vorstellungen als das Rabbinat. Und junge Leute fliegen zum Heiraten ohnehin oft nach Zypern, auf ein normales Standesamt. Deshalb wird seit Jahren an der pragmatischten aller Lösungen gearbeitet: Einer Zivilehe. Ohne Segen des Rabbinats.
Das tut natürlich weh. Deshalb hat das Oberrabbinat allen Ernstes vorgeschlagen, ein Spezialrabbinat für nichtjüdische Ehen einzurichten. Und für diese Form des Multikulti auch gleich einen Rückschlag hinnehmen müssen: Die Regierung bleibt bei der Zivilehe. Und verzichtet auf Hochzeiten, die wunderbar in Monthy Pythons Life of Brian passen würden.
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Sie ist eine von etwa 50 bespielten, aber nicht beschrifteten DATs im Chuzpe-Studio. Die meisten haben 120 oder gar 180 Minuten. Der O-Ton, den ich suche, muss auf einer dieser DATs sein. Ich habe mit den kurzen DATs begonnen. DAT-Recorder sind beim schnellen Vorspielen ziemlich zickig, und zudem langsam. Für jede Minute brauche ich etwa 15 Sekunden. Ich verfluche meine Unordnung zu bei jedem Anhalten, Reinhören, und Weiterspulen. Sagen wir, zehn mal pro Minute. Macht 640 Flüche mal alleine bei dieser DAT. Denn auf dieser war der O-Ton auch nicht.
Wenn in München heute Nacht ein Blitz einschlägt und es etwas verbrannt riecht, denken Sie sich nichts. Nur ein Radiomacher, dessen Flüche nach den 180er-DATs erhört wurden.
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Son, you need a blue-24bit-convertible- multi-knob preamp
with wire-chrome-screws and that sexy tube-heat
with a fancy guitar Line in, two-track SPDIF,
and lotsa gain so you can talk to your groupies
when you’re on air all alone.
Ich habe in nicht gekauft, den Preamp. Noch nicht.
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So sehen 100 Mitarbeiter von Adobe aus. Wir haben zwar Indesign und Photoshop, aber hier wird alles noch mit billigstem Micrografix gemacht. Photoshop nervt Chuzpe. Das wird jetzt kaum besser. Kai Pahl weiss jetzt auch, warum er noch länger auf die Updates von Adobe warten muss.
Dass es auch anders geht, sieht man im Audiobereich. Dort muss sich niemand auf irgendwelche Ebenen umstellen. Da wird zuerst daran gedacht, ob sich die User wohl fühlen. Man schaut nach, was sie bislang kennen. Hier zum Beispiel ein Hardware-Kompressor, der die Lautheit von Tönen verändert:

Sein Software-Pendant, in diesem Fall von Steinberg Wavelab, hat das gleiche Interface und eine identische Anzeige, bis hin zu imitierten, groben LEDs und Lichtreflexen auf den Drehknöpfen. Und das, obwohl man die Anzeige für die Gain Reduction auf dem Bildschirm beliebig gross und genau darstellen könnte.

Hard- und Software funktionieren identisch. Das heisst, man kann sein Wissen offline und online verwenden. Und die Benutzer brauchen das scheinbar, dieses Gefühl, dass man direkt an einem Regler drehen kann, ohne sich durch Layer und Menus klicken zu müssen.
Es klingt wie ein Witz, aber Adobe hat trotzdem dieses Jahr versucht, in diesen von Steinberg dominierten Markt einzudringen. Adobe hat die Reste des insolventen Audiosoftware-Herstellers Syntrillium gekauft und vermarktet es jetzt unter dem Namen Adobe Audition. Früher hiess das Cool Edit Pro und war gegen 1998 eines der besten Angebote für Profis. Aber inzwischen ist die Zeit über Syntrillium hinweggegangen.
Audition kostet zwar nur die Hälfte von Wavelab, Cubase oder Emagic, ist aber gerade in Sachen Interface nicht im Mindesten so durchdacht. Typisch Adobe eben. Und für Amateure tut es auch eine 50 Euro Software wie die von Magix - die hiess übrigens früher SEK´D und war 1998 auch so ein heisses Teil wie Cool Edit Pro. Hat aber inzwischen ein weitaus besseres Interface...
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Montag, 17. November 2003

...kann dieses gallige Würgen unterdrücken, das ich jedesmal bekomme, wenn mein Blick auf das Rezensionsexemplar von Golf 2 fällt. Dieser neoconservative Schnösel aus Hohmanns Wahlkreis, diese Barbourjackenfummeltrine, dieser Gaudidiskriminierer, den es wahrscheinlich zutieft ärgert, dass sich kein Rezensent über seine non-pc-Sager mehr aufregt, dieses BWLer-Abgöttchen erlebt gerade zurecht, wie sein Machwerk aus den Regalen verschwindet, in Richtung Ramsch, da, wo es zwischen Pilcher-Sonderausgaben und den besten Tricks zum Blödverdienen am Neuen Markt auch hingehört. Bei mir wartet dieses Geschreibe nur auf Weihnachten, dann ab damit zu jemandem bestimmten, denn Rache ist bekanntlich Blutwurst.
Infantil, dieses Gemotze, oder? Sollte man sich ab einem gewissen Alter abgewöhnen? Von wegen. Deshalb mag ich Dan Zevin. Dan Zevin sagt mir, dass es völlig O.K. ist. Zevin ist ein amerikanischer Autor, ein schlaksiger, immer etwas runtergekommener blonder Jude, und hat einen veritablen Bestseller für die Illies-Hasser dieser Erde geschrieben.
Das Buch heisst Uncool und erzählt vom Älterwerden all derer, die keine natural born Spiesser sind. In zwanzig Kapiteln erklärt Zevin, wieso die aufgebügelten Ideale der 50er und Golfer zwangsläufig keine Chance bei Leuten haben, die sich einen Rest Jugend bewahrt haben. Das ist kein Plaedoyer für das Lauern vor Schulen im Alfa Spider, sondern anekdotenreiche Bestandsaufnahme eines Lebens-Gefühls.
Zevin schreibt dabei nicht über das Illies-"Wir", das auch totalitäre Systeme so schätzen, sondern über sich selbst. Wie er täglich auf die Schnauze fällt, wenn er sich den Regeln der Erwachsenenwelt anpassen sollte. Er gibt sich durchaus Mühe, den Wein gesittet zu trinken, den Rasen zu pflegen, segeln zu lernen und das Besteck richtig zu benutzen. Jedesmal endet es in einer Katastrophe, und der Erkenntnis, dass Uncool sein für ihn nichts taugt. Und hey, Zevin kann schreiben! Will sagen, der drechselt keine Sätze in diesem betulichen 80er-Jahre-Stil. Er knallt den Lesern die Gags um die Ohren, ein affektiertes Lächeln ist ihm schnurz, er ist Entertainer und langt kräftig hin. Das Lachen bringt die Erkenntnis.
Zevin schlägt den Brillenträger Illies. Und ist hoffentlich auch dann noch Popliteratur, wenn Benjamin längst seine Zirrhose lebert.
5 von 5 zerbrochenen Brillengestängen Modell Berlin-Mitte
Dan Zevin, Uncool, Heyne Verlag, ISBN 3453870344, 223 Seiten, 9 €
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Man könnte die BB selbst singen lassen. Den auch nicht unjüdischen Titel "Harley Davidson". Schliesslich veschlug es die Dame sogar mal ins Musikgeschäft. Das war lange Zeit vergessen, wie so vieles andere aus der Beat Ära bei notre Naschbaarn. Aber dann kamen die Jungs vom Atomic Cafe in München und haben den Take und viele andere Schätze aus den 60ern wieder gehoben. Das ganze ist auf CD und LP unter dem Titel French Cuts zu haben.
Unter anderem mit dem Teufel an der Hammondorgel Nino Ferrer, France Gall als Rockröhre, dem Titel Sado Maso als idealem Partyrausschmeisser, und einem unvergleichlichen Cover mit dem wunderbaren Popo eines Citroen Pallas vorne drauf. *hach*
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Anders gesagt, eine ganze Redaktion inclusive Verantwortlichem hat seit 2 Wochen nichts gemacht ausser einmal Essen zu gehen, und mit der Frage zu scheiden, was wir denn das nächste Mal bringen - und dass wir uns darum kümmern werden. Bald.
Bald hat natürlich keiner was gemacht. 6 Themen in drei Wochen. Klingt nach Stress.
Hmm...auf die Heeb Party gehe ich sowieso. Ausserdem wurde die Gemeindewahl in Berlin annuliert, und dort läuft gerade eine Schlammschlacht sondergleichen. Das sind schon mal 2 Themen.
Und den Herrn Basch werden wir fragen, wie es so war, als er vor der halbnackten B. Bardot und der splitternackten Jane Fonda am Auslöser war. Und vielleicht braucht er ja ein paar Assistenten?
Was? Ob wir...? Nein. Echt nicht! Wir doch nicht. Reines Interesse an der Kunst. Äh. Tja.
Jedenfalls ist BB eine erstklassige Gelegenheit, um echt jüdisches Liedgut von Serge Gainsbourg zu bringen. Es geht doch nichts über die Weisen der Väter.
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Heeb ist für Juden das, was "nigger" für Afroamerikaner ist. Oder besser gesagt, das war es einmal.
Denn vor 2 Jahren beschloss eine gewisse Jennifer Bleyer aus New York nach einigen Punk/Musik/Party/Indy-Erfahrungen, eine Zeitung für Juden wie sie selbst zu machen. Titel: Heeb. Bei den alteingessenen Bedenkenträgern der jüdischen Gemeinden schrillten alle Alarmglocken. Jeder meinte, ausdrücklich vor Heeb warnen zu müssen. Die zarte 25-jährige Miss Bleyer sei der Beginn des Untergangs des jüdischen Abendlandes und Verderberin der Jugend obendrein. Der Rest ist eine Erfolgsgeschichte.
Heeb hat es mittlerweile auf 4 hochglänzenden Ausgaben gebracht, es gibt einen Haufen Abonnenten, die sonst nie etwas jüdisches lesen würden, viele Mitarbeiter, etliche Parties, und jetzt auch noch den Sprung über den grossen Teich.
Jen Bleyer in persona, friends, DJs & Performances sind am Samstag, den 22. November ab 23 Uhr in der Villa Elisabeth (die sicher im Grabe rotiert, wenn sie das mitbekommt), Invalidenstraße 4.
Infos unter der Nummer 030 - 88 02 82 52
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So läuft das mit den Pappenheimer Apfelstrudeln. Ihr Geeks, wenn Eure Mütter anrufen und sagen, Kind, hör auf mit den Pizzas Nachts um 1, dann schickt ihr diesen Link mit dem Hinweis, dass es viel schlimmer sein könnte. In dieser Form waren die Kalorien von 6 schleimigen Pizzen.
Listening: Fat Boy Slim, Push the tempo
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Montag, 17. November 2003
Welcome to the Minority Report Part 1
Emily hat was gegen quengelnde, laute Gören, die Süssigkeiten plündern, und das an einem gewissen St. Martinstag, der m.W. vor allem bei Gänsen verhasst ist. Überschrieben ist das mit "Rabimmel Rabammel Rabumm".
Nu, klasse denkt man sich, weil man krakelende Blagen auch nicht mag. Rabimmel Rabammel Rabumm, super, das kennt unsereins natürlich sofort. Haben wir hundert mal mitgesungen bei den Goldenen Zitronen:
Nein, hier wurde niemand ausgegrenzt. Im Wettbewerb der Leuchten.
Mancherorts leuchtete man gar gegen Hass und alliierte Bomben.
Rabimmel, Rabammel, Rabumm.
Nun denne, Schultern geklopft, Hände geschüttelt.
Nun war es amtlich, man hatte kollektiv böse geträumt.
Titel des Lieds: Das bisschen Totschlag bringt uns nicht gleich um ... ein Klassiker der Antifa ... Wow, denkt man sich, cool, sowas zu schreiben über diese Schreihälse, fett subversiv und echt was für Kenner. Und mailt es gleich rum unter der Headline "zitronen vs. blagen".
Und kriegt von einem Rabimmel-Kundigen als Antwort:
Hi Uceda,
das ist leider nur ein Zitat aus dem Lied, das die Kinder an dem Tag singen. Weiss eigentlich jedes Kind. *g* Die Zitronen haben das damals nur übernommen...
Na danke. Wieder was dazugelernt. Rabimmtel inside.

Aber keine Zitronen. Die sind draussen. Bei mir auf Minidisc.
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Von den dortigen uralten Obstbäumen kommen bis heute die besten Äpfel, klein und mehlig, für den besten Strudel, und das Familienrezept wird bei uns bis heute gepflegt. Auch wenn die Familie Pappenheim gegen 1830 verlassen hat.
Der Strudel muss warm gegessen werden. So sieht der Strudelrest 1 Minute und 30 Sekunden nach dem Verlassen das Backrohres aus:

*Mitzwa, hebräisch für Pflicht
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So einer wie Etgar Keret bräuchte sich da gar nicht blicken lassen. Sein längstes Stück Prosa hatte gerade mal 130 Seiten. Der Roman hiess Pizzeria Kamikaze und handelte von zwei Leichen, die sich auf die Suche nach einer anderen Leiche machen, viel trinken und einmal sogar Sex haben.
Seine neue Kurzgeschichten setzen in Sachen Absurdität noch eins drauf. Und die Bezeichnung Kurzgeschichten verdienen sie wirklich. Es ist Bröckchen-Literatur, genau die richtige Länge für eine Busfahrt und deshalb nach deutschen Feuilletonisten-Massstäben nicht lesenswert. Popliteratur im Besten Sinne des Wortes: Die phantastische Stories kümmern die sich nicht um Erzähltraditionen, Standpunkte und sonstiges Schreibhandwerk. Ein Realitätsbezug ist kaum vorhanden, und wenn, dann nur, um abrupt ins Surreale abzugleiten. Hinter jeder Normalität lauern Abgründe, Märchen und Wunder.
Keret nimmt die Leser mit auf einen Hexenritt hinauf in seine Erfindungsgabe, und von da oben, zwischen verwandelten Frauen und einem fetten Mond, sieht man dann ganz klar, was die Normalität wirklich ist: Auch nur eine Erfindung, ein Konstrukt, das man sich zurechtbastelt.
Kerets Geschichten wirken als literarische Exstacy-Pillen. Man kann sie locker einwerfen, und nach einer Weile kommt die Wirkung, eine gewisse Zeit des High seins, und dann setzt einen die Geschichte wieder ganz sanft im Leben ab.
Etgar Keret, Mond im Sonderangebot, Luchterhand Literaturverlag, ISBN 3630871534, 17,50 €
Und wer ihn live sehen will: Etgar Keret is reading & good looking am 27.11.2003 um 20 Uhr in der Literatur Moths, Rumfordstr. 48.
80469 München.
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Angeblich.Trotzdem ist da was auf dem Schulserver, was im Amerikanischen mit dem Wort "Explicit" belegt wird.
Nur eins ist bislang klar: Ausnahmsweise ist nicht Microsoft schuld.
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Bis letzten Freitag war das in Australien kein Problem. Dort konne man Al Manar TV empfangen. Mit dem faktischen Ende der Kämpfe im Südlibanon sucht sie Hisbollah nach neuen Betätigungsfeldern. Dabei ist sie auf das Fernsehen gestossen, und hat Al Manar finanziert. Allerdings bleibt jetzt in Australien die Glotze schon wieder schwarz: Der Betreiber World TV hat Al Manar wegen der Hisbollah-Schecks aus den Satelitenkanälen entfernt.
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Manchmal klappt anderen die Kinnlade runter, wenn man erwähnt, dass man, sagen wir mal, jewishandsomething ist. Hey, das sucht man sich nicht raus, das ist man halt! Hilft nix. Der Abend ist im Eimer.
Denn dann kommt all das Zeug, das die anderen in Schule, Medien und Familie so eingetrichtert bekommen haben. Was als netter Abend begann, endet in einer quälenden Informationsveranstaltung über Shoa, Naher Osten und Fragen über Ultraorthodoxie, von der wir doch auch nicht so dolle Ahnung haben.
Und eigentlich wollte man nur mal ne Sause machen. Naja.
Dabei können die Leute nichts dafür. Schuld sind diejenigen - vor allem in den Medien - die nur dann über Juden berichten, wenn sie
- Opfer von Gewalt sind
- im Nahen Osten Gewalt ausüben
- hochgeistigste Sachen von sich geben, die allein deshalb schon klug sein müssen, weil der Betreffende Jude ist
- ethnologisch und religiös sensationell aufgebohrt werden können.
Auf diese Art kennt man die Juden, alle anderen Aspekte werden nicht wahrgenommen. Mit diesen - höflich gesagt - philosemitischen Themen sichert sich eine gewisse Gruppe von Journalisten ihren Stuhl.
Irgendwann hat man genug von dieser Bande. Entweder man wird als Thema eingemacht, oder man macht das Thema selbst. Das haben wir seit 1998 im Radio getan. Wir haben die grösste jüdische Sendefläche der Republik, wir machen Comedy, alle nur denkbaren Themen, wir sagen, wo es in den Gemeinden brennt, und vor allem: Wir zeigen das Leben hier so, wie es ist.
Eigentlich ziemlich banal und durchschnittlich.
Aber um das zu vermitteln, muss man erst mal mit viel Chuzpe raus und ran an die Leute. Denn von allein kommen sie garantiert nicht.
Wer also, wenn nicht wir?

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Samstag, 15. November 2003
Zum anderen fehlt es oft an der nötigen Erfahrung im Umgang mit dem Medium, und dann noch am Geld. Teure Geldschleudern wie Video-on-Demand bei life-tv oder Marktforschung zu Online-Andachten, wie es die Kirchen in Deutschlandbetreiben - sorry, da gibt es in den jüdischen Gemeinden in aller Regel wichtigere Dinge zu tun.
Folglich bleibt vieles der Privatinitiative Einzelner überlassen. Most popular:
Juden.de
Bitte das Design einfach ignorieren. Ja, es ist ... wie soll ich sagen ... das Design bei Seiten ist ja nicht so wichtig ... da denkt man einfach an Friedrich Torberg´s Tante Jolesch und das, was sie über Männer gesagt hat: "Was ein Mann schöner ist als ein Aff, ist ein Luxus." So ähnlich auch hier. Trotzdem: Juden.de ist die Anlaufstelle für Matchmaking schlechthin. Und deshalb so erfolgreich. Seriöser dagegen:
Hagalil
Das Portal zu Judentum in Deutschland. Etwas steif, alles möglich durcheinander, Liberale neben Ultraorthodoxen, dazu Nachrichten und Kommentare, Thora neben den üblichen Sticheleien. Weil wir grad bei Sticheleien sind:
Die jüdische Allgmeine
herausgegeben vom Zentralrat der Juden in Deutschland, hat eine schnieke Website, aber irgenwie nicht so richtig Ahnung, wie man die aktualisiert. Im Ergebnis ist die Website ziemlich verstaubt, und die Inhalte nicht netzgerecht geschrieben. Die Veranstaltungshinweise sind alles andere als umfassend. Aber dazu gibt´s hier bald mehr, zumindest für den Grossraum München.
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Eva´s Kostüm und Adam´s Kamera

Sie sind irgendwie horizontal, auch wenn sie stehen oder sitzen. Sie sind immer sexy, auf eine distanzierte Art, keine vulgären Sexbomben, sondern, wenn das Wort erlaubt ist, Sexgöttinnen. Keiner anderer Fotograf der 50er und 60er Jahre konnte so präzise wie Peter Basch den Moment einfangen, in dem Sinnlichkeit in Sex umschlägt.
Die meisten Bilder von Filmdiven, Sängerinnen und Prominenten sind eiskalt in ihrer Wirkung berechnet, man fühlt das Zusammenspiel von Claudia Cardinale und Peter Basch, wenn sie mit zerrissenem Dekolletee in seine Kamera lächelt, wohl wissend, was sie damit anrichtet. Bis heute, denn Peter Baschs Bilder sind zeitlos. Selbst in den schreiend bunten Kolorbildern der Sixties setzt sich die Schönheit durch. Kleidung ist ohnehin nur störend, Jane Fonda, Sophia Loren, Diana Ross, man sieht ihnen an, dass sie eigentlich nackt sein müssten.
Peter Basch hat sie alle abgelichtet. Wer von ihm in Hollywood photographiert wurde, wusste, dass die Karriere erfolgreich war. Die Bilder erzählen von der gegenseitigen Abhängigkeit zwischen Star und Photograf, von einer intimen Beziehung, die immer noch knistert, wenn man die Seiten des opulenten Bildbands mit den 500 besten Photos aufschlägt.
Die Karriere war Peter Basch quasi in die Wiege gelegt. 1923 wurde er in Berlin als Sohn eines UFA-Regisseurs geboren. 1933 floh die Familie nach Amerika, und Basch landete bald in der US Army - ausgerechnet beim Film Corps in Hollywood. Nach dem Krieg eröffnete er ein Photostudio, und die Stars rissen sich um ihn. Aber auch andere Kundschaft wartete: Basch belieferte die grossen amerikanischen Magazine, und später auch die Bunte, Quick oder den Stern.
Er brachte amerikanische Männerträume nach Europa - und europäische Phantasien nach Amerika: Eine unbekannte junge blonde Französin namens Brigit Bardot wurde in den USA über Nacht zum Sexsymbol dank einer Photoserie, die auch heute noch eines der Highlights des opulenten Bildbands ist. Es ist Filmgeschichte, eine glückliche jüdische Geschichte des letzten Jahrhunderts, es erzählt natürlich auch viel über das Frauenbild - aber vor allem ist es die Geschichte zwischen einer schönen Frau vor und einem genialen Mann hinter der Kamera. Wenn man ehrlich ist, einfach verdammt guter Sex.
5 von 5 gierigen Hechelhechel
Peter Basch: Stars! Fotografien aus den Fünfziger und Sechziger Jahren, Schwarzkopf-Schwarzkopf Verlag, ca. 400 Seiten, 49,90 EUR
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Interreligiöse Pfilozofie für Anfenger
Eigentlich gehört Marek Halter nicht zu den Autoren, die man zwangsläufig ins Deutsche übersetzen würde. Es gibt im deutschen Buchmarkt zwar einen enormen Bedarf an jüdischen Literaten. Jeder Verlag, der was auf sich hält, hat zumindest einen Israeli oder einen typischen New Yorker Juden, aber Marek Halter?
Natürlich gab es ein paar Anläufe, den französischen Autor zu importieren, sei es nun mit seinem historischen Roman "Der Messias", oder auf dem Höhepunkt des Interesses an der Shoa mit: "Auf der Suche nach den 36 Gerechten. Gespräche mit den wahren Helden unseres Jahrhunderts." Ein üppiges Buch voller Interviews mit Menschen, die nicht abseits gestanden hatten. Ein weiteres Buch zum Thema, das in seiner wohltemperierten Ausgeglichenheit nicht nur Zustimmung fand und bald darauf im modernen Antiquariat verschwand.
Dass Marek Halter nun doch wieder mit einem Buch präsent ist, dürfte viel mit der Lage im Nahen Osten zu tun haben. Vor vier Jahren in Frankreich veröffentlicht, nimmt der Roman "Die Geheimnisse von Jerusalem" den jetzigen Konflikt in vielen Details vorweg. Ein Buch, punktgenau auf dem Markt platziert. Wenn da nicht ein gewisses Problem wäre, ein deja vu...
Denn bei den Geheimnissen von Jerusalem hat sich Halter eines Themas gewidmet, das wir schon mal hatten: Den Tempelschatz, und der Jagd nach demselben. Indiana Jones hiess der Film, der war witzig, brilliant, und trotz aller Klischees der bösen Nazis, der verschlagenen Araber und der heldenhaften Amis ein Kultfilm.
Und nun geht die Hatz nochmal los. Marek Halter schickt einen Reporter von New York über Paris nach Jerusalem. Der Plan zum Schatz ist eine moderne Diskette, aber spätestens in Jerusalem taucht dann das übliche, sattsam bekannte Personal des üblichen Agentenkrimis auf: Archäologen, Forscher, Spione, und Schurken ohne Ende.
Pittoresk geben sie die Staffage, die man im Orient erwarten kann, als da wären die Hamas, die Irakis und natürlich auch die russische Mafia. Hin und wieder torkelt ein schmerbäuchiger Mossad-Agent durchs Bild, und die knallharte Agentin gibt es auch, quasi die jüdische Ausgabe von Lara Croft. Durch den Nahostkonflikt hat man die Aktualität, durch die Sache mit dem Tempelschatz wird´s gehörig jüdisch philosophisch.
Die anderen Weltreligionen kriegen natürlich trotzdem ihr lauschiges Plätzchen in der Stadt, die angeblich allen heilig ist. Man kann nur hoffen, dass Halter bei Christentum und Islam nicht ebenso verantwortungslos seine Klischees geplündert hat wie beim Judentum. Falls die im Buch beschriebene Leicht & Seichtversion tatsächlich mehr sein sollte als eine Anbiederung ans Publikum, wäre das ausgesprochen traurig.
Man fragt sich allenthalben, warum Halter seine Figuren nicht einfach suchen, einander jagen, töten und Sex haben lässt, wie das nun mal in Krimis sein soll. Alles andere, besonders der pseudophilosophische Kitsch, stört nur. Ansonsten sind Die Geheimnisse von Jerusalem ein wenig gelungener Krimi.
4 von 5 trockenen Chuzpe-Hustern
Marek Halter: Die Geheimnisse von Jerusalem, aus dem Französischen von Iris Roebling. Verlag Rütten & Loening, , 485 S., EUR 23, 20
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Also machten wir eine Radioshow. Namens Chuzpe. Das Wort ist jiddisch und steht für masslose Unverschämtheit. Chuzpe ist, wenn man Paps und Mama durch den Fleischwolf orgelt und nachher bei Gericht um mildernde Umstände bittet, weil man Vollwaise ist und Hunger hatte. So heftig sollte sie werden, die Radioshow.
Mit der wohlwollenden Unterstützung der IKG München und Oberbayern krachte es ab 1998 einmal im Monat bei M94,5 im Äther über München. Und das Wohlwollen haben wir auch oft kräftig strapaziert. Also, da gibt es so ein paar Stories... *hüstel* ... das mit dem Möllewelle mit seinen 18% Antisemitanteil, oder die unglückliche Bergtour von Haider sendet man einfach mal so, weil man das ganz gut fand, in der Nacht davor ... und dann läuft es und man denkt, oops, schon etwas gewalttätig, ähem, oder auch was wir den Mormonen angedroht haben, und dem Oberkirchenrat ... nein, dafür kriegen wir sicher nicht den Preis für interreligiöse Versöhnung, nein nein...
Auf der anderen Seite hat Chuzpe 2 mal Medienpreise abgestaubt. Und vielen Leuten ein *etwas* anderes Bild vom Judentum vermittelt. Ein wenig vergeistigtes, ziemlich selbstironisches und knüppelhartes Bild. Eines, in dem Sex und Gewalt natürlich auch vorkommt. Wie überhaupt alles, was zum Judentum gehört, bishin zum banalen Tratsch. Was dem einen sein Bohlen, ist uns der Bronfman. Ein Judentum, bei dem einem schon mal - Zitat - die Frühstückseier aus dem Mund fallen.
Ziel erreicht ;-)
Und jetzt auch als Blog. Um unseren Oberen etwas zu zeigen, die noch nicht wissen, was so ein Blog ist. Wir haben erst mal die Kommentare nicht blockiert. Yeah. But we got the admin power and we´re going to use it.
Ausserdem: Für blöde Sprüche gibt´s später mal verflucht schlechtes Karma, sagt die Bibel.

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