Montag, 17. April 2006
A********karte
ist, wenn man als Papst die Welt sotto voce aufruft, den Palästinenser Geld zu geben - und sich dann prompt einer in Israel in die Luft sprengt, unter Applaus der momentanen Machthaber. Man kann viel tun mit denen, aber Geld geben kommt mir nach der Geschichte wirklich etwas unklug vor.

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Mittwoch, 22. März 2006
Afghanistan
Ist ja ok, für die Menschenrechte in den Krieg zu ziehen. Ist auch ok, Menschenrechtsverletzer hart ran zu nehmen. In gewissen Grenzen ist es auch ok, sie dauerhaft einzusperren.

Nur sollte man vielleicht darauf achten, dass die Nation, die man da aufbaut, auch die Menschenrechte einhält. Wenn man das nicht gebacken bekommt, sollte man sich das mit dem Krieg nochmal überlegen.

Kurz: Wenn der Westen die Hinrichtung eines Konvertiten nicht in aller Konsequenz und Deutlichkeit in seinem eigenen arabischen Vorposten Afghanistan verhindert, kann er es auch gleich bleiben lassen. Alles andere ist nur ein Zeichen der Schwäche, und wer da kneift, hätte auch die Taliban im Amt lassen können.

Nachtrag: Vielleicht sollte man im Zuge eines etwaigen Durchgreifens auch gleich noch die vergleichbaren israelischen Vollspacken mit ihren Mordaufrufen nachhaltig ruhigstellen.

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Mittwoch, 8. März 2006
Ein paar Extremisten weniger
Es ist mir persönlich wirklich egal, wenn die Hasser und Hetzer dieser Welt weniger werden, sei es nun durch Erkenntnis, oder dass man ihnen die Mittel entzieht, andere zu indoktrinieren. Ich habe auch absolut nichts dagegen, wenn ein Irving ein paar Monate bis zur vorzeitigen Entlassung im Knast landet. Genauso freut es mich zu hören, wenn extreme christliche Gruppen aus dem Netz verschwinden. Es ist mir dabei übrigens vollkommen egal, wer gerade auf deren Abschussliste steht, ob das nun Leute wie meine Liebste sind, die Abtreibung befürwortet, Leute wie ich, die erklärtermassen für eine strikte Trennung zwischen Religion (insbesondere der Kirchen) und Staat eintreten, oder alles und jeder, der sich zum Islam bekennt und damit automatisch zum Kombattanten in einem zusammenphantasierten "Krieg der Kulturen" wird.

Ich bin so frei zu sagen, dass die Abschaltung der Hetzseite "Euroislam.info" durch den Provider deshalb eine prima Sache ist. Wer partout christlicherseits einen Krieg gegen muslimische Extremisten führen will, bitte, Flüge in den Libanon kosten keine 300 Tacken, AK47 gibt´s in den Käffern ab 200, und die gleichen Idioten mit anderer Religion findet man in der Beka´a-Ebene, auch wenn die inzwischen mehr Interesse am Drogenhandel mit als am Kampf gegen Israel haben.

Wer etwas tun will: Amnesty International kümmert sich um Menschenrechtsverletzungen im Nahen und Mittleren Osten, BEVOR es Tote gibt, die dann den deutschen Extremisten als neue Grundlage für ihre Hasspropaganda dienen. Ich mein, wieso stellen sich all die Cretins dieser Fraktion nicht hin und fordern ihre Leser auf, in der Sache etwas zu unternehmen? Weil es nicht in ihr Konzept passt, und weil Amnesty eben keine Propagandaschleuder ist, sondern eine Organisation, die für die Menschen ist.

Und gegen den Hass.

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Mittwoch, 1. März 2006
Einzelpersonen und die jüdische Gemeinde
In einem Kommentar stellte einer die Frage, ob Henryk Broder "eine Zierde für die jüdische Gemeinde" sei. Puh.

Die jüdische Gemeinde gibt es nicht, dazu ist der Haufen viel zu laut, kontrovers und von Animositäten geprägt. Und mutmasslich wollen die wenigsten mit anderen so pauschal in einen Topf geworfen werden. Noch dazu, wenn einer dauernd Sachen mit dem Verweis auf sein Judentum von sich gibt, die nicht wirklich überlegt sind. Oder reine Provokation, wie Broders Einlassung zu Freislers Erben. Sagen wir mal so: Unverständnis war nich die geringste Reaktion derer, mit denen ich darüber gesprochen habe.

Für mich ist das insofern relevant, als ich mal wegen einer Aussage von Broder am Rand dessen war, was sich unsere Sendung so leistet - und das ist einiges. Anlässlich seines Buches auf die deutschen Reaktionen zu 9/11 gab es ein paar wirklich harte Zitate, die durch die Meinungsfreiheit gedeckt, aber nicht wirklich nett waren. Wir haben lange darüber debattiert, ob wir derartige Injurien bringen sollten, und haben es dann letztlich getan - als es dann on Air ging, wusste ich, dass es falsch war. Es gibt auch andere Leute, die harte Sachen vom Stapel lassen, der WJC ist berüchtigt für unsensible Sager, und es ist peinlich, weil man dort so tut, als sei man tatsächlich die Weltorganistation und nicht nur eun Haufen Honoratioren mit mieser Buchhaltung.

Insofern - keine Zierde ist der, der sich anmasst, für andere zu sprechen oder sie zu vertreten. Sollten Border oder andere so wahrgenommen werden, ist das keine gute Sache; ab er man sollte sich klar machen: Er ist auch nur ein Jude, der für sich selbst spricht. Wie ich auch - nur weil ich nach Kräften die deutsche Neoconaziszene angeht, heisst das nicht, dass jeder diese Typen als neue rechtsextreme Gefahr begreift. Rückschlüsse auf andere sind nicht möglich.

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Dienstag, 14. Februar 2006
Die Geschichte von Etgar
Etgar Keret - ist das allen ein Begriff? Ein ausserordentlich feiner israelischer Schriftsteller, und gut aussehend noch dazu. Immer, wenn ein neues Buch von ihm auf Deutsch kommt, machen wir ein grösseres Interview. Klasse Typ - das Buch "Pizzeria kamikaze" ist übrigens vielleicht das beste, was seit der Staatsgründung Israels geschrieben wurde, da gibt es eine brilliante Szene zwischen einem militanten israelischen Versager, der sich aus Frust über die Armee erschossen hat, und einem palästinensichen Selbstmordattentäter in einer Bar, wo sie über die 72 Jungfrauen streiten - aber ich schweife ab.

Etgar Keret jedenfalls macht auch noch was anderes als klassische Lesereisen. In Israel liest er auch im Knast, bei den schweren Jungs. Er hat mir mal erzählt, wie schwer es ist, die von den Krimis wegzubekommen, die die anschauen. Er hat das nicht verstanden, wieso die ausgerechnet Krimis anschauen und die Polizisten für die Guten und die Verbrecher für die Schlechten halten. Die schweren Jungs sagten ihm, dass Recht und Ordnung doch super sei - und sie, Mörder, Vergewaltiger, Gewohnheitsverbrecher - sässen hier nur, weil sich die Richter geirrt hätten, ihre Anwälte Fehler gemacht haben, die Polizei eine Situation falsch verstanden hat. Aber sie selbst, sie haben ein reines Gewissen.

Und diese Erzählung ist mir heute wieder eingefallen, als ich die beschwichtigenden Worte muslimischer Prediger las, die den ganzen Ärger mit den läppischen, dummen Karikaturen angeheizt haben. Ich musste aber auch daran denken, als ich das Lamento einer islamfeindlichen, angeblichen Freundin Israels las, der man die Website wegen eines mutmasslichen Gesetzesverstosses ausgeknipst hat. Und ich musste daran beim Gejammer von ein paar notorischen rechten Spammern denken, die jetzt ihrerseits gespamt werden. Und wenn ein paar Durchgeknallte in Dänemark ihrerseits muslimische Gebäude anstecken und Friedhöfe verwüsten, dann wird auch diese rechte Schl- l- l- Person das mit ihrem Hassbriefen nicht gewollt haben.

Überall das gleiche. Jeder von denen sollte sich besser Bücher von Keret kaufen und drin lesen - und solange einfach mal die Klappe halten.

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Montag, 13. Februar 2006
Programmvorschau: Im Mai Krieg im Iran
Oh, ich würde nicht sagen, dass es schon sicher ist. Aber es ist der Zeitpunkt, der am wahrscheinlichsten ist.

Vielleicht eine Vorbemerkung zu meiner Position: Ich gehöre nicht zu denen, die glauben, dass man Aufklärung nicht herbeibomben kann. Kann man durchaus, Deutschland, Österreich, Rumänien und einige andere Verlierer des zweiten Weltkriegs sind wunderbare Beispiele dafür, dass Wellingtons und B-17 mitunter mehr vermögen als Bücher und Talkshows. Ich weiss, dass diese Meinung mitunter nicht gern gehört wird, aber meine individuelle Lage ist so, dass meine banale Existenz durch alliierte Bomben und Granaten ermöglicht wurde. Hätte Bomber-Harris 1942 gesagt, ne, die Deutschen lassen wir erst mal eine Weile in Russland ausbluten, wir regenerieren uns, dann hätte es in meiner Familie auf dem Kontinent niemand überlebt.

Was den Iran angeht: Ich glaube nicht, dass die ihr Uran wirklich nur friedlich nutzen wollen. Die Macht strebt nun mal nach A-Bomben, unabhängig von moralischer Legitimität. Und natürlich will ich im Iran keine Atombombe wissen. In Israel - schon weitaus eher. Ja, auch keine bequeme Haltung, so sue me.

Kommen wir also zur Frage, wie man den Machthabern im Iran die Chance auf eine Atombombe nehmen soll. Prinzipiell gibt es drei Möglichkeiten: Entweder man zerstört die Infrastruktur zum Bau der Bombe. Oder man zerstört die, die die Bombe wollen. Oder man zerstört die Infrastruktur und die, die die Bombe wollen. So richtig sinnvoll aus Sicht des Angreifers ist eigentlich nur die dritte Variante. Wenn eines der beiden Ziele nicht erreicht wird, hat man zumindest etwas erreicht. Und nur mit einer toten Führung kann der Angreifer sicher sein, dass der Gegner erst mal andere Probleme hat, bevor er zurückschlägt - und die USA und der Iran sind im Irak praktisch Nachbarn, und der Iran hat einen grossen Einfluss auf die Schiiten im Süden. Da ginge so einiges. Also, wenn Militärschlag, dann das ganze Programm.

Warum im Mai? Nun, eine schönere Steilvorlage als die, die der iranische Präsident gerade liefert, kann man schon nicht mehr bekommen. Da ist alles dabei, was man zur Rechtfertigung braucht. Er will Israel vernichten, er will Mittelstreckenraketen, er will Urananreicherung. Er macht gerade ganze Abteilungen der CIA arbeitslos. Besser kann es nicht mehr werden, man muss also nicht lange warten. Eben nur noch drei Monate.

Denn drei Monate dauert es, bis der Irak eine ausreichend gefestigte Despotie ist, in der die eigenen Leute dafür sorgen, dass alles schön ruhig bleibt. In drei Monaten könnte man also Teile der Truppen im Irak abziehen und woanders hin verlegen - schon im Februar werden 10% der amerikanischen Truppen heim geholt. Sprich, da sind inzwischen die notwendigen Kapazitäten frei - nicht für einen Einmarsch in den Iran, aber zur Absicherung für gezielte Angriffe.

Wenn man es nicht im Mai machen würde, kommt man in eine schwierige Lage: So ein Krieg kostet richtig viel Geld, vor allem bei der Logistik. Würde man die Truppen erst reduzieren und dann wieder in die Region verlegen, würde es weitaus teurer als die 5 bis 6 Milliarden, die der Spass im Irak gerade pro Monat kostet. Es ist einfach nur sinnvoll und wirtschaftlich, die vorhandenen Strukturen weiter zu nutzen, Nur das garantiert einen vergleichsweise kostenneutralen Krieg.

Weil es ohnehin teuer wird. Denn der Benzinpreis wird schneller steigen als die erste Cruise Missile auf dem Weg nach Teheran. Deshalb sollte man diesen Kreig durchführen, wenn der Energieverbrauch niedrig ist - sonst siegt sich der Westen wirtschaftlich zu Tode. Wenn alles "gut" geht, ist der Ölpreis im nächsten Winter wieder auf Normalstand.

Klingt das böse? Tut mir leid, meine Tätigkeit bringt es mit sich, dass man zu oft mit Leuten redet, die in dem Metier zuhause sind. Die ticken nun mal so, ob man es mag oder nicht. Man muss es nicht gut finden, gerade in der Frage von Leben und Tod, von Krieg und Frieden kann und darf es nicht nur die Vernunft der Militärs geben. Aber in diesem Fall sind die Würfel gefallen. Kann sein, dass es mittelfristig ein paar Probleme zeitlich nach hinten schiebt. Ob es Israel viel bringt, wage ich zu bezweifeln, denn auch ein Krieg der USA garantiert keinen Friedensprozess für Israel, wie man im Irak gerade sehen kann.

Was ich selbst davon halte - keine Ahnung. ich bin, was den nahen Osten angeht, sowieso Pessimist. ich werde sicher nicht für die Mullahs demonstrieren, aber auch nicht grinsen, wenn es so weit ist.
Wenn dieses Arschloch in Teheran doch die blöde Fresse gehalten und über Windkraft nachgedacht hätte, sorry, aber es ist einfach so...

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Sonntag, 12. Februar 2006
Darf ich mal was sagen?
Jetzt, nachdem das Gerede um die Mohammed-Karikaturen in den normalen Medien vorbei ist - schliesslich haben der Spiegel und andere ihre reisserischen Nummern unters Volk gebracht - melden sich gerade in Europa eine Reihe von Leuten zu Wort, die sich vielleicht "liberal", "aufgklärt" und "prowestlich" nennen, aber anhand ihrer Vita problemlos im klassischen rechts-links-Schema am rechten Rand zu verorten sind. Das gefällt denen nicht, ich mache es trotzdem.

Ich habe auch einen guten Grund. Denn deren Argumente - Kapitulation vor "den" Muslimen, Aufgabe "der" westlichen Prinzipien, Niederlage "der" Aufklärung, Scheitern "der" Integration klingen so vertraut, so altbekannt, so ekelhaft nach dem, was zwischen 1800 und 1933 an Argumenten gegen die jüdische Assimilation vorgetragen wurde. Man vergisst diesen "intellektuellen" Antisemitismus gerne, der sich problemlos an den deutschen Geisteshelden festmachen liesse. Ob nun Goethe, Hegel, Fichte oder Richard Wagner bis hin zum Staatsrechtler Carl Schmitt - sie alle haben diese Debatte mit genau diesen Argumenten schon mal vorgelebt. Man redet heutzutage lieber über Hitler, den Stürmer und Vernichtungslager, weil die diese Debatte in ihrem Höhepunkt, teilweise auch, zugegeben, in ihrer Pervertierung abbilden, aber das darf nicht den Blick auf die Vordenker verstellen, die zu ihrer Zeit den Einfluss hatten, den heutigentags die konservativen Medien und ihre rechtslastigen Ausleger gerne hätten. Ich erspare der Leserschaft jetzt Namen, aber wer die Blogbemühungen der Zeit, des Tagesspiegels und der Welt kennt, weiss wovon ich rede.

Ich möchte da niemanden gleichsetzen, zumal es die heutigen Vordenker keinesfalls mt den oben genannten Vorläufern aufnehmen können - ein gekaufter Kopist amerikanischer Neocon-Thesen ist immer noch meilenweit von einem von Zweifeln zerfressenen, unsicheren Fichte oder einem scharfsinnigen Hegel entfernt. Aber was wir hinter dem Geschrei sehen, ist eine Verzerrung der Realität, die so vertraut ist, dass es mir persönlich den Magen zusammenkrampft - ohne dass es eine Übertreibung wäre. Es kotzt mich an.

Denn dahinter sehen wir ein Bild des Muslims, der genauso böse, abstossend und inkampatibel zu "uns" gezeichnet wird, wie es mit den Juden während der gesamten Haskala (die innerjüdische Aufklärung) und der Assimilation gemacht wurde. Diese Angriffe negieren völlig die Umwälzungen und Veränderungen in der Welt, die sich in den letzten 60 Jahren ereignet haben. Weite Teile der arabischen Welt wurden im Eiltempo in eine Entwicklung gepresst, die in Europa nicht ohne zwei Weltkriege und einige Völkermorde und Vernichtung bestimmter Gruppen abging. Angesichts der enormen Veränderungen und der - hierzulande unvorstellbaren - sozialen Verwerfungen muss man den Muslimen zugestehen, dass sie das alles vergleichsweise gut überstanden haben. Das macht keine Hisbollah, keine Hamas, keinen afghanischen Warlord, keinen syrischen Folterer und keinen al-Quaida-Ausbilder auch nur einen Jota besser. Aber "die" Muslime sind einen weiten Weg in kurzer Zeit gegangen. Das sollte man im Westen zur Kenntnis nehmen. Und mal Reiseberichte aus dem osmanischen Reich um 1900 lesen, danach versteht man vielleicht den Sprung vom, europäisch gesagt, hohen Mittelalter in die globale Jetztzeit.

Und da ist es enorm kontraproduktiv, wenn jetzt die altbekannten Hasser und Hetzer, die islamophob angepinselten Rassisten beginnen, den Islam auf ein paar Sätze im Koran zu reduzieren und zu argumentieren, dass die Muslime mal wieder vor den Toren Wiens stehen. Da wird ein Schreckgespent aufgebaut, ein Popanz beschworen, die der Überprüfung in der Realität - bei allen Problemen und schrecklichen Geschichten - einfach nicht standhalten. Wenn sich einer mal die Mühe machen würde, mit wirklich gläubigen Muslimen zu reden, dann kennt man deren Probleme: Dass ihre Kinder nicht mehr in die Moschee gehen, dass sie nicht mehr beten, wie es vorgeschrieben ist, dass sie eigentlich keine Muslime mehr sind - kurz, das kennt man auch vom bayerischen Kaff und den jüdischen Gemeinden. Es gibt auch die andere Entwicklung, die sich in die Extreme flüchtet, aber das sind kleine Minderheiten, gegen die man sich wappnen muss. Es gibt viele Bereiche, in denen man Grenzen aufzeigen muss.

Aber wer den Blick auf die Extreme reduziert und alle, die es nicht tun, als "Appeaser" diffamiert, ist im Kern nichts anderes als eine Person, die die Denkschemata der christlichen, westlichen Abwehr gegen das Judentum wiederholt. Wer Fichtes System eines "Antisemitismus der Vernunft" kennt, erkennt sofort die Strukturen dieses rechten Packs. Wer das Bild des Juden in der "Gartenlaube" kennt, kennt die heutige Propaganda. Natürlich zeichnet man heute eher selten im Stil der antisemitischen Karikaturen vor 100 Jahren, aber man bringt Bilder von schreienden Extremisten. Dieser Ausschnitt der Realität ist ebenso ehrlich wie die frühere Behauptung, es würden doch tatsächlich auch solche "Kaftanjuden" mit grossen Nasen und wulstigen Lippen rumlaufen. Es ist formal richtig, innerhalb des Gedankenbildes des Hasses, aber es lügt sich an der Realität vorbei.

Was bleibt, ist der immer gleiche Kampf zwischen Verständnis und Ablehung, zwischen denen, die hassen und das rationalisieren wollen, und denen, die rational handeln. Es ist eine unvermeidliche Auseinandersetzung in einer Welt, in der man in drei Stunden von einer Kultur zur nächsten fliegen kann. Es ist ein Zweifrontenkrieg gegen die Hasser auf beiden Seiten. Aber es ist ein Krieg, den sie verlieren werden, solange die Mehrheit ihren Kopf benutzt und das Geplärre, da so alt ist wie die Dummheit, als das betrachtet, was es ist: Das, was für die Aufklärung überwunden werden muss.

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Dienstag, 7. Februar 2006
Europäische Rabbiner lehnen muslimfeindliche Karikaturen ab
Aus der Rubrik "Was Sie auf rechten Blogs nie lesen werden" - da rechnet mal ja lieber "für" die Juden Karikaturen auf - ist dieses Statement:

The Conference of European Rabbis expresses its concern at recent publications by European press organs which humiliate and disparage the feelings of Muslims.

"I share the anger of Muslims at these cartoons and I understand it," CER President and Chief Rabbi of France Joseph Sitruk said.

Rabbi Sitruk said that the publication of cartoons depicting the Muslim Prophet Mohammed by the Danish daily, Jyllands-Posten, and their subsequent publication by other European press organs, showed "a lack of intellectual honesty and a deep lack of respect for the feelings of others."

"We gain nothing by disparaging religions, by humiliating people and by making caricatures of religious symbols. But even these actions must never be allowed to justify a response which is completely out of proportion to understandable feelings of anger. Nothing in our shared monotheist traditions can justify violence and blind hatred," Rabbi Sitruk added.


Das sagt die oberste Vereinigung der Rabbiner in Europa. Und das sind nicht gerade die Leute, die sich von moslemischen Brandmobs einschüchtern lassen - für die judenfeindlichen Karikaturen in der arabischen Welt haben sie auch deutliche Worte. Nur denken sie eben weiter als gewisse Schreihälse. Alles andere ist nur Broder, könnte man jetzt sagen, wenn man gemein wäre. Kann mal bitte jeder das verlinken und erwähnen, damit die ganzen Radaubrüder der rechten Blogosphäre und die Welt das erfahren, wie man jüdischerseits über sie denkt?

lack of intellectual honesty - schön gesagt. Gut, dass es auch noch ausgewogene Meinungen in der Blogosphäre gibt.

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Sonntag, 22. Januar 2006
Kalte Buffetkrieger
oder auch: Der Casus Deppi.

Es gibt da ein Problem im Iran. In einem absehbaren Zeitrahmen von etwa 4 bis 10 Jahren könnte die dortige Führung in den Besitz von Atomwaffen und einem passenden Trägersystem gelangen, wenn man den Berichten glauben will, die Experten als Geheimdienstinformationen ausgeben. Und all diejenigen, die schon den Irakkrieg für eine gelungene Veranstaltung halten, schreien jetzt natürlich nach weiteren Aktionen.

Nun ist es aber so, dass die eventuell selbst betroffenen Israelis diesmal wohl nicht die Kraft haben, Atomanlagen im ganzen Land zu zerstören. Und auch die USA, wenn sie denn wollten, hätten keine Garantie, dass es klappt und die Machthaber nicht anderweitig zurückschlagen - Biowaffen und Giftgas, die Atombomben des kleinen Mannes, könnten im Gegenzug üble Auswirkungen haben. Wer - immer vorrausgesetzt, es ist mehr gewünscht als die beteuerte friedliche Nutzung der Kernenergie - nach Atombomben strebt, würde wohl auch nicht zögern, zu anderen Massnahmen zu greifen.

Deshalb wird jetzt mehr und mehr über eine Tötung der Führung des Irans debattiert. Was Churchill als Komandoaktion gegen Hitler untersagte, soll jetzt also gegen den iranischen Präsidenten zur Anwendung kommen. Nun ja. Ich kann mich düster erinnern, dass die amerikanischen Versuche, auch nur einen Mann, Saddam Hussein zu töten, mit voller militärischer Macht unter Kriegsbedingungen nicht erfolgreich waren. Mutmasslich ist es auch etwas anderes, in einem besetzten Flecken wie dem Gazastreifen Hamasmitglieer auszuspionieren und sie dann mit einem Hubschraubereinsatz zu töten. Bei Gaddhafi lagen die Amerikaner auch ein paar Meter neben dem Ziel. Und ob Teheran ein Gebiet ist, das sich für einen Drohnenangriff so eignet wie ein pakistanisches Bergkaff, ist auch nochmal eine andere Frage. Die sich die Deppen, mit Verlaub, in ihren sauberen Schlagträumen nicht stellen.

Dazu kommt dann noch der Umstand, dass es in einem Land mit 70 Millionen Einwohnern nicht wirklich einfach ist, Kommandostrukturen und ihre Befehlshaber soweit zu zerstören, dass gar nichts mehr geht. Aber genau das müsste man tun, denn mutmasslich bohrt die iranische Armee nicht in der Nase, wenn die Jets angreifen - wenn es sich dabei nicht um einen Atombomben-Erstschlag handeln würde. Und dann ist da noch die These vom geknechteten iranischen Volk, das der Armee die Waffen entreissen würde, wenn nur die Führer tot wären - dieselben, die in einer halbwegs demokratischen Wahl von der Mehrheit der Bevölkerung ins Amt gehoben wurden. Die Mehrheit, die auch ohne Mullahs die Juden gern im Meer sähe. Naja.

Man wird, das ist bereits jetzt erkennbar, an einer Kraftprobe mit dem Iran nicht vorbeikommen. Andererseits gehen die Iraner das Risiko ein, die Geduld ihrer Freunde zu überspannen und am Ende isoliert dazustehen. Isoliert auch in einer arabischen Welt, in der sie die Führungsrolle anstreben - schliesslich könnten sie ihre Atomwaffen auch gegen andere Länder richten, in denen die Schiiten von den Sunniten bis heute unterdrückt werden. Noch haben die Iraner keine Atombombe, noch kann man sie politisch in die Knie zwingen, wenn alle überlegen, was ihr Vorteil dabei ist, und entsprechend handeln. Es kann nicht darum gehen, Appeasmentpolitik zu betreiben, sondern konsequent die Chancen zu nutzen, die bei einem vertretbaren Risiko maximalen Erfolg bringen. Und in diesem Fall geht es nun mal nicht um eine Bombe im Bus, sondern um das ganz grosse Ding - wenn der Iran tatsächlich eine Atombombe bauen will. Was ich für wahrscheinlich, aber nicht für bewiesen halte.

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Strange Stuff
ich bin ja schon ziemlich abgehärtet, was den Kulturschock in Mitteleuropa angeht, aber dann gibt es doch immer wieder so Dinger, da fragt man sich... ich mein, eine ganze Kirche voll mit so Zeug:



Geht´s nicht auch irgendwo spassiger? Lässiger? Ich weiss ja, dass das Judentum historisch bedingt auch etwas viel über den gewaltsamen Tod nachdenkt und spricht, aber sowas ist dann doch irgendwo heftig. Schaurig. Uähhh. Nichts wie raus hier.

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