Freitag, 17. Februar 2006

Shabbat Shalom - mit Nation Building, Terror und Todesschwadronen
In meiner Zeit als Auslandskorrespondent in Berlin wurde ich nach kurzem Beschnuppern Gast bei einigen regelmässigen Treffen, die man gerne als "Think Tanks" beeichnet. Nachdem ich aber auch die amerikanischen und britischen Vorbilder kenne, halte ich diese Beschreibung für ähnlich überzogen wie den beliebten "MBA" der Betriebswirtschaftler, der angeblich jetzt auch in Deutschland angeboten wird: Eine Worthülse, der jede Tradition und jedes Verständnis des Inhalts abgeht.

Eines dieser Treffen, monatlich abgehalten unter den Linden, hatte sich auf transatlantische Arbeit gegen den Terror spezialisiert. Unabhängig von den Wechseln der Tagespolitik trafen hier deutsche und amerikanische Politiker und "Execs" zu Hintergrundgesprächen aufeinander, vom Journalisten über Politikberater und Wissenschaftler bishin zu den Entscheidungsträgern der Ministerien und Botschaften. Und unabhängig von den geopolitischen Übereugungen war man sich einig, dass das zentrale Ziel gerade im Irak mit seiner grossen Bedeutung als potentielles Vorbild für den Nahen und Mittleren Osten das Nation Building sein muss. In etwa so, wie es in Deutschland nach dem Nationalsozialismus gelungen war. Das war die Aufgabe, und es herrschte Zuversicht, dass die Amerikaner es auch diesmal packen.

Die amerikanische Seite präsentierte dabei gerne - bis zur Selbstaufopferung, wenn es um die "dirty Jobs" ging - die Arbeit der irakischen Polizei als Rückgrat einer neuen, besseren Gesellschaft in schwierigen Zeiten. Tatsächlich taucht die irakische Polizei kaum in den Medien auf, es sei denn, sie wird angegriffen, oder sie unterstützt die Amerikaner mit kleineren Aktionen wie Absperrungen. Alle kritischen Fragen wegen der recht kurzen Ausbildungszeit und der fraglichen staatsrechtlichen Gesinnung wich man aus, Probleme seien allein logistischer Natur. Der an sich bekannte Umstand, dass im Irak Leute verschwinden und irgendwo tot und gefoltert aufgefunden werden, wurde mit lokalen Bandenkriegen, ethnischen Differenzen und Kriminellen begründet.

So wie es ausschaut, haben sich die Amerikaner was in die Tasche gelogen, die von ihnen ausgebildeten Polizisten stehen hinter irakischen Todesschwadronen, die in der sunnitischen Bevölkerung für Angst und Schrecken sorgen. An einer Strassensperre wurde eine Gruppe erwischt, die einen Sunniten "hinrichten" wollte, ohne Prozess und Urteil. Das waren Leute, die mutmasslich die Ausbildung durch Amerikaner hinter sich hatten, inklusive Unterweisung in Menschenrechten.

Wenn das Nation Building so ausieht, dann wird der Irak nach dem Abzug der Amerikaner in einen Bürgerkrieg rutschen, der leicht die Ausmasse von Somalia oder Afghanistan vor den Taliban übertreffen kann. Wenn das Rückgrat der neuen Geselllschaft auch nur zu kleinen Teilen bereit ist, derartige Schwadronen zu bilden, wird es keinen Rechtsstaat geben, sondern nur eine Fortsetzung des Terrors unter Hussein mit anderen Namen, aber gleichen Mitteln, und mutmasslich schiitischen Auftraggebern, und eventuell mit Hintermännern im Iran. Für die Amerikaner wäre das der absolute Alptraum - sage nicht ist, sondern die Leute, die von den Amerikanern in den Think Tank geschickt wurden.

Und eigennützig gesagt: Wenn das die herrschenden Zustände im Irak bleiben, kann man sich jeden Friedensvertrag mit Israel abschminken. Dann entseht dort ein neuer Hort des Terrorismus, geboren aus fehlender Rechtsstaatlichkeit, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis dann wieder der Sündenbock Israel für jede Form von Propaganda herhalten muss. Abgesehen davon, dass ein Vertrag mit einem derartigen Regime, das schon in seiner jetigen Form locker die "Standards" von Syrien erreicht, immer ein unsicherer Partner bleiben wird.

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Deswegen sollte man die USA unterstützen wo man kann. Das die Amis in Irak sind, ist nur gut für Israel. Und es ist zu begrüßen, dass die Amis versuchen in einem arabischen Land in dieser Region irgendwie eine Demokratie zu installieren. Auch wenn es sehr schwer ist. Es wird sehr lange dauern. Aber wo eine Wille ist auch ein Weg.

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Vielleicht noch mehr Soldaten schicken? tessss.... "Die" Amis haben eine ganze Reihe von strategischen Fehlern gemacht, die dazu geführt haben, dass sie jetzt Verbündete einer schiitischen Regierung sind, die alte Rechnungen begleicht. Sie haben es versäumt, ein Mediator zu werden, und niemand weiss, wie sie aus der Klemme nach den diversen wenig freundlichen Aktionen im sunnitischen Dreieck wieder rauskommen sollen. Zumal im Irak auch hauptsachlich Soldaten siten, und relativ wenige Zivilisten.

Und wie soll man sie denn unterstützen? Letztendlich muss es am Ende von den Irakern gestemmt werden, also muss den Irakern geholfen werden. Aber wer ist da noch vertrauenswürdig? Die Kurden haben sich längst verabschiedet, die Schiiten hören ziemlich auf Teheran, und die Sunniten haben alle Macht verloren, ausser sie werden zu Warloards und schicken ihre menschlichen Bomben in den Süden und destabilisieren die Schiiten. Und wen soll man jetzt fördern, in diesem von den Amerikanern vebrochenen Krisenherd?

Das Kernproblem ist der unilaterale Krieg, der die UNO beschädigt zurückgelassen hat. Jetzt haben weder die USA noch die UNO irgendeine glaubwürdige Mediatorenrolle. Und genau das ist unabdingbar beim Nation Building. Das wissen "die Amis" auch selber. Aber da kann ihnen keiner bei helfen. Weil sie nicht zulassen, dass sich andere als Mediatoren engagieren. Und das sage nicht ich, das sagen sie selber.

Und das "gut für Israel" - ich wüsste gerade keinen israelischen Politiker, der mit der Lage zufrieden ist. Schliesslich hat die irakische Regierung eine klar feindliche Haltung zu Israel, Stichworte Holocaustleugnung und Boykott.

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Die Lage ist schon seit der Gründung Israels nicht zufrieden stellend. Jede islamische Regierung ist der Feind Israels. Ja die USA haben viele Fehler gemacht, aber wer hätte überhaupt in Irak ohne Fehler gehandelt? Die EU ist keine Hilfe sie kritisiert nur, Ideen die Probleme zu lösen hat sie keine. Dass die USA sich nicht helfen lassen will, ist ihre Sache. Mir ist wichtig, dass Israel nichts passiert.

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"Jede islamische Regierung ist der Feind Israels"? Die türkische? Tansania? Indonesien? Malaysia? Ägypten und Jordanien, die offizielle Friedensverträge mit Israel unterzeichnet haben?
Das Ticket "Feindbilddenken" gewählt zu haben ist bereits der entscheidende Fehler, auf allen Seiten.

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Die Friedensverträge sind sehr schön, aber das Islam will trotzdem Israel ausradieren. Mein Feind sind nicht die Menschen. Mein Feind ist die Ideologie "Islam", der den Geist der Menschen vergiftet.

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DER Islam? Ahmadiya, die Bahaí , die Sufis, der Aga Khan? Islam ist mehr als die Ideologien des Wahabismus, Djihadismus und Integrismus. Das Judentum ist auch nicht identisch mit der Ideologie des Rabbi Kahane.

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Genausogut könnte man sagen, das Judentum wolle die Palästinenser endgültig vertreiben oder das Christentum alle Abtreiberinnen ins Gefängnis bringen oder der Hinduismus einschleßlich Gandhi sämtliche Witwen lebendig verbrennen.

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Einmal andersherum
Das sowohl flächenmäßig als auch von der Einwohnerzahl her größte islamische Land ist die Republik Indonesien. Dort gibt es zwar auch Terroristen, die mit der Jamma Islamiya ihre eigene Organisation haben, aber die überwiegende Mehrheit der indonesischen Muslime steht fundamentalistischem Gedankengut fern und lebt auch einen wenig strengen Islam, z.B. tragen Frauen das Kopftuch fast nur zum Gottesdienst. Den indonesischen Muslimen sind Israel und der ganze Nahostkonflikt dermaßen was von schnurzegal, und wenn es religiöse Spannungen gibt, dann mit Hindus, nicht mit indonesischen Juden. So, und wenn wir die Muslime in Indonesien, Malaysia, Bangla Desh, China (Sinkiang-Uighur ist mehrheitlich muslimisch) und Sibirien zusammenrechnen, dann kommt da locker die Häfte der muslimischen Weltbevölkerung raus, und das sind fast alles Leute, die sich für Israel und den Nahostkonflikt nicht interessieren. Der engste militärische Verbündete Israels aber ist die Türkei, in der eine islamistische Partei an der Regierung ist. Also: Die Muslime, die Israel vernichten wollen, sind aus bestimmten politischen Motiven heraus aufgehetzte Leute vor allem in arabischen Ländern und dem Iran (wo mir noch zweifelhaft erscheint, dass Ahmadinejads Vernichtungsdrohungen eine Massenbasis haben, der Durchschnittsperser ist von dem ganzen Regime ziemlich abgenervt), aber nicht "Die Muslime" oder "Der Islam".

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