Samstag, 24. Januar 2004

Geschmackvoll
Solche Texte wie hier erwarte ich mir von der edlen Zunft der Händler hochwertiger, anspruchsvoller Buchprodukte:

Helmut Newton's "SUMO"

Helmut Newton in LA am 23.Januar bei Autounfall gestorben!

bei uns nur noch wenige Exemplare verfügbar, beim Verlag jetzt vergriffen!

portofreie Lieferung Deutschland / EG( ausser Griechenland) /USA)

In gleicher Ausstattung erschien: Nobuyoshi Araki, der Meister der erotischen Fotografie und Leni Riefenstahl "Africa"


Nicht nur der Text. Auch die Gestaltung in Bild-quietschbunt. Die Leni, die nehme ich ihnen übel. Das hat er nicht verdient.

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Gicht?
Noch nicht!

Aber schön langsam kommt das Alter, und damit auch die, na, manche würden sagen, Weisheit. Dieses Dingsda, das so vernünftig wie eine Einkommenssteuererklärung ist und so sexy wie Feinrippunterhosen mit Durchgriff. Wie auch immer, heute morgen war das auf meinem Laptop zu sehen:



Das ist ein Beitrag. Ein fertiger Beitrag. Genau 8 Tage vor der Sendung. Darunter ist ein weiterer Beitrag, ebenso fertig. Auf meiner Workstation sind inzwischen sogar schon die entsprechenden Audiofiles. 8 Tage, bevor die Luft brennt und es wieder mal senkrecht vor die Wand zu donnern droht, denn die Deadline am nächsten Tag ist unverrückbar.

Diesmal nicht. Zumindest nicht so. Aber ich bin nächste Woche nicht da, also produziere ich woanders. Die Sprecher sind dagegen hier. Weshalb, aber wirklich nur ausnahmsweise, heute schon einiges fertig ist. Die fertige Sendung wird dann mit der Post geschickt, und ich kann sie noch nicht mal auf UKW hören.

Und vor der nächsten Sendung werde ich eine Nacht schlafen. Ich weiss gar nicht mehr, wie das ist, die erste Nacht im Monat von Samstag auf Sonntag schlafen. Kann ich das überhaupt noch? Schaltet mein Körper nicht automatisch auf wach? Donnere ich nicht reflexartig am Sonntag um 11 in irgendein Studio?

Wir werden sehen.

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Freitag, 23. Januar 2004

Richard Perle ist wieder da.
Wer das ist? Sie haben ihn vergessen, den armen rechten Präsidenten-Berater, der über seine Wirtschaftskontakte gestolpert ist?

Jedenfalls, he´s back. Mit einem Buch. Titel: An End to Evil. Knallhart, das. Politik mit dem Vorschlaghammer. Zurückhaltung ist nicht seine Stärke, verhandeln auch nicht. Vielleicht liest Bush nicht, vielleicht kann er auch nicht. Wäre gut. Für uns alle.

Trotzdem sollten wir in der Sendung darüber reden. Muss ja nicht alles gut sein, was Juden schreiben.

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winterreiseraserei
einmal quer durch die Republik. In den Städten ist es zwar kalt, sogar bitterkalt wie in Berlin, mit einem leichten, eisigen Windhauch, aber den Winter, den richtigen, schönen Winter findet man erst, wenn man sich durch die Schneetreiben im Thüringer Wald nach Bayern gekämpft hat.



Weiter im Süden sind zwar noch dunkle Wolken, aber die ziehen schneller weg, als man über die Autobahn vorrankommt. Nur bei Ingolstadt fallen ein paar Flocken, aber München liegt in all seiner Gemeinheit, Geschmacklosigkeit und unverbesserlichen Borniertheit wie eigentlich immer im strahlenden Sonnenschein.



Die einzigartige, traumhaft schöne Munich Area eben. Da braucht es schon eine besondere Perspektive, um den wahren Charakter offenzulegen.

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Mittwoch, 21. Januar 2004

Es wird eng
für Scharon: Seine Hilfsbereitschaft und die mutmassliche Vergütung durch den begünstigten Bauunternehmer finden die Staatsanwälte in Israel nicht so toll. Wegen einer Wahlkampfspende eines Bauunternehmers droht dem israelischen Premier ein Prozess. Den Jubel der deutschen Medien über den eventuell bevorstehenden Rücktritt Scharons halte ich für verfrüht. Die Vorwürfe stehen schon seit Monaten im Raum. Und Scharon hat schon ganz andere Sachen politisch überlebt.

Und ich sollte eigentlich schon längst auf dem Weg in den Süden sein, aber so ist das nun mal in den medien und ihren Arbeitszeiten.

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Schon komisch
Da will man einen Beitrag über die politische Meinung der amerikanischen Expats machen, dreht rum, denkt, grübelt, wie man das Thema jüdisch aufhübscht - aber wenn man dann die entscheidenden Leute bei den einschlägigen Organisationen, egal ob Democrats oder Republicans kontaktiert, sind sie sowieso jüdisch. Na denn.

Wobei: Das geht nur, wenn man um Hardcore-Baptisten und NRA-Freunde einen Bogen macht. Aber die setehen scheinbar nicht im Telefonbuch und Internet. Und Mormonen fallen ganz flach.

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Eine Vita
wie sie im Buche steht:

Für die Nazis mutmasslich an Kriegsverbrechen beteiligt
Für die Tschechen als Spion unterwegs
Bei Radio Free Europe eingeschleust und Propaganda gemacht
Für die Amerikaner dann auch als Spion unterwegs

und jetzt endlich in München verhaftet. Mit 86. Spät, aber immerhin.

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Dienstag, 20. Januar 2004

Berlin Topics
Die letzte Jagd über Strassen, deren Lichter die Schäbigkeit, die Ritzen und die Flecken der Stadtkulisse in die Nacht brüllen.



Morgen, bei Tag, wird das schlimmer. Und dann über den Autobahnfeldweg, vorbei an toten Kombinaten und Förderungsruinen hinunter in den Süden. In München wartet die Sendung für Februar. Dort halb produzieren, dann wieder rauf und fertig machen. Das alles wird etwas berlinlastig, mit all den kaputten Ideen, auf die man hier so kommt. Und es wird drei Monate so bleiben.

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Radio Request
an sie, 23 Jahre alt, Journalistin, ob sie nicht vielleicht was machen könnte, so unter Kollegen.

Freundlich: Kanst Du uns was sprechen?

Schüchtern: Hm, aber ich klinge so schlimm.

Väterlich: Ach was, Du schlingst doch nicht klimmm ... äh

Verwirrt: (guckt)

....gut, der Versuch war´s wert.

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Hype
Kaum regt sich mal jemand über ein, hm, Kunstwerk auf, schon klingelt das Telefon. Man sucht nach zitierbaren Leuten, die eine Meinung haben, am besten jung und flippig. Anti-Sharon wäre auch nicht schlecht. Lassen sie durchklingen.

Zu blöd, dass ich von Kunst keene Ahnung hab ey. Und mich mit dem Trulala auch nicht beschäftige, denn es gibt noch ganz andere Probleme. Ich habe keinen Peil, echt nicht.

Aber ich habe einen Detektor für journalistische Aasgeier, die zu feige für eine eigene Meinung sind.

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Montag, 19. Januar 2004

Differenzierung
Der Trend, keine Frage, geht zum Zweitblog. Weil hier vieles einfach nicht reinpasst. Das hier ist ein Blog über Juden, Radio, unser Essen, die Kultur und die Konflikte des Alltags. Alles andere, wie z.B. Print, findet jetzt in einem anderen Blog statt. Radio und Print passt einfach nicht zusammen, und die Leute sind auch nicht die gleichen. Ausserdem sind es unterschiedliche Locations, Print ist in Berlin, Radio ist in München.



Ausserdem wollten die ein Blog. Sage also keiner, alle Journalisten wären verspiesserte Technikmuffel.

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Verfeinerung
Bei Essen kann man fast immer was machen. Es gibt wenig, was sich nicht irgendwie zubereiten lässt, vermischen, aufbessern. Sogar problematisches Fleich bekam man im Mittelalter noch mit Nüssen halbwegs hin.

Schlimm ist es nur, wenn alles schon vermantscht, verbraten und verkocht angeliefert wird. Eine Pampe, bei der nichts zu retten ist, und man schon beim ersten Blick merkt, dass es ein echter Rezeptorenkiller wird. So ein Teil liegt gerade in Form eines Beitrags auf meinem Tisch. Drunter und drüber, hier ein Stück Philosemitismus, dort etwas Vereinnahmung, mit der dann Leute mit anderer, durchaus diskussionswürdiger Meinung abgewatscht werden. Das alles in einem Stil, der einen mehr überrollt, denn in den Beitrag zieht.

Da kann man wirklich nichts machen. Das kann man nicht redigieren. Jeder Satz ein Problem, jeder Formulierung ein Tritt in die geistige Magengrube.

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Grausam
Ich sollte nicht so viel Vorspeisenplatte lesen, auch wenn es ein exzellentes Blog ist. Wenn ich sowas lese, bekomme ich sofort Hunger und mache mich auf die Suche nach dem nächsten semi-koscheren Falafel. Nichts hält mich auf. So eine Theke ist die letzte Rettung vor diesem Wahn.

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Sonntag, 18. Januar 2004

An die Content-Diebe
Der Du bei Amazon meine C.Seidl-Rezension geklaut hast, Du Wurm! Lies das, ändere Dich, sonst kommt meine Rechtsabteilung über Dich!

Über Knilche wie Dich steht geschrieben: "Er hört nie auf mit seinem Tun . ... Er spricht zu sich selbst: «Ich werde so weitermachen, es wird für mich eine gute Zeit.» Sein Mund ist voller Flüche, voll Lug und Trug; seine Zunge richtet Ärger und Verderben an. ... Er lauert in seinem Loch wie ein Löwe im Dickicht, er lauert, daß er einen Elenden fange; er fängt ihn und zieht ihn in sein Netz. "
...
Was sagt man dazu, Du Wurm? Das hier: Zerbrich den Arm des Gottlosen und Bösen und suche seine Niedertracht heim, daß man nichts mehr davon finde.

Psalm 10, ya Sucka.

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Shabbat shalom motherfucker,
heisst es in einer Schlüsselszene bei The Hebrew Hammer, und genau das ist es, was dieser Tag da draussen all denen ins Gesicht rotzte, die sich nicht an die Shabbatruhe gehalten haben.



Da waren ein Benz und ein Opel, die nicht begriffen, dass man manchmal auch bremsen sollte. Da war ein Polizist, der bei Rot noch schnell über die Ampel hetzte und beinahe die Kühlerfigur meines Fiat gegeben hätte. Und da war ein Kaufhaus, in dem Mütter die Kinderwägen beim Kampf an der Kasse als bodennahe Cruise Missiles einsetzen.

Und über all dem Regen, Regen und nochmal Regen. Am Abend kommt dann zumindest eine gute Nachricht von einem verlorenen Sohn, der es sich doch wieder anders überlegt hat und damit beweist, dass Blogger nicht so sind, wie man immer behauptet. Sondern anders, und das ist gut.

Und es findet sich ein Buch von Georg Kreisler, Lola und das Blaue vom Himmel, das man gleich am Morgen ins Bett hätte nehmen sollen, lesen, und den Shabbat einen friedlichen sein lassen. Und dann höchstens am Abend mit 2 alten Tanten Tango tanzen.

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Samstag, 17. Januar 2004

Digicams
versauen das Photohandwerk. Leider setzen sie sich im Journalismus immer mehr durch. Sie sind praktischer, sobald es um Geschwindigkeit geht, und irgendwann braucht man das Bild sowieso digital.



Was auf der Strecke bleibt, ist die Fähigkeit, die Funktionen einer Kamera zu nutzen. Früher war die Blende absolut entscheidend für die Bildgestaltung; heute ist sie fast immer vorgegeben. Weil die Blitze so lächerlich klein sind, ist es meist eine Blende zwischen 3 und 4.

Diese Praktica Nova B von 1967 hat Blende 22 - ist aber, falls nötig, auf Blende 2,8 zu nutzen. Sie ist schwer, Ganzmetall bis runter zum Auslöser, und das sschiackk des Spiegelreflex klingt so, wie er klingen muss. Morgen mache ich damit eine Runde durch Ost-Berlin. Vollanalog. Damit ich mal wieder ein Gefühl für echtes Arbeiten mit der Kamera bekomme.

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Antiimperistischerterroristischer
Schutzwall, oder Terror Preventing Fence, soll das Monstrum jetzt heissen, mit dem die israelische Regierung die Autonomiegebiete abriegeln will. Das soll das Image des Landes verbessern, das gerade wegen des Zaunes auf einen Prozess am internetionalen Gerichtshof in Den Haag zusteuert - und den es mit grösster Wahrscheinlichkeit verliert.

Kleiner Tip: Vielleicht noch mit Peace-Symbolen anmelen und ein paar Grünanlagen davor anlegen, dann sieht das auch noch nett aus. Und Egon Krenz ist sicher bereit, für eine Handvoll Schekel als PR-Berater ein paar seiner Experiences und Skills an Sharon und Co. weiterzugeben.

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5 Sätze, die ich hier nicht hören möchte
1.: Das ist ein Startup, oder?

2.: Wow! Parkett! Ihr müsst ja im Geld schwimmen.

3.: Und? Wann ist der IPO?

4.: Hähä, na sag schon wie die Praktikantinnen sind.

5.: Kriminell, die Arbeitszeiten,wie damals beim Peter Kabel, wa? Was sagt die Gewerkschaft dazu?

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B-City
Neuer Arbeitsplatz. Lauter nette, zuversichtliche Leute, die ich betreuen soll. Oder die mich auf Trab halten. Man kann mit ihnen gut vom Thema abschweifen, was im Journalismus bei der Themenfindung eine Grundqualifikation ist. Und einer sitzt mir gerade immer noch gegenüber und arbeitet, am arbeitsfreien Shabbat. Muss ein Jude sein und ist auch einer :-)

Jetzt noch ne Housewarming Party, ein paar Kisten Bier und die berühmten, handgemachten Blätterteigtaschen, und die Sache ist gewupt. Wie es der Boss in der fernen NY-City immer so treffend ausdrückt.

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