Donnerstag, 21. Oktober 2004

Berlin Appeasment
Vielleicht liegt es ja an der seltsamen Art, wie diese Stadt mit der Geschichte nicht weiter umgeht. Da ist zum Beispiel der Humboldthain.



Der Humboldthain war ein Park und wurde passend zum zweiten Weltkrieg mit einem Flakturm gefüllt. Das Ding war eine der drei grössten Flakstellungen in Berlin, ein monströser Klotz, dessen erste Entwürfe vom Führer himself kamen. Die Briten versuchten immer wieder vergeblich, das Ding mit Tallboy-Bomben zu zerstören. Erst nach dem Krieg wurde der Turm teilweise gesprengt, und steht bis heute als Ruine neben den Plantschbecken des Freibades.

Ansonsten ist es ein beliebter Aussichtspunkt geworden, von dem man sich einen guten Eindruck von der Trostlosigkeit der Berliner Slumlandschaft machen kann. Die Reste werden liebevoll erhaltren und restauriert. Man kann dort mountainbiken, oder ein wenig bergwandern. Die treppen sind gut für den Kreislauf. Von einer Distanz gegenüber diesem Klops ist nichts zu spüren. Ist halt so. Braucht man sich keinen Gedanken drüber machen. Aber die Aussicht ist gut. Und Zeugen des Weltkrieges gibt es so viele, da fällt der doch
gar nicht auf, scheint es. Ich kann das Ding nicht anschauen, ohne ein komisches, übles Gefühl zu haben.

Genauso bleibt das hier im Stil der Inschriften auf dem Flakturm:



Nur ist das erheblich neuerer. Ziemlich frisch, auch wenn die Aussage alt ist. Aber das macht hier, nur 50 Meter vom Standort des ersten Photos entfernt, keiner weg. Nur ein weiteres Grafitti, dit is Balin, wa. Irgendwann wird einer kommen und es übermalen, vielleicht mit einer linken Parole, oder auich mit einem weiteren Aufruf aus der rechten Mottenkiste.

Ist aber egal. Denen, die hier wohnen. Wie so vieles. Man hat ja andere Sorgen.

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