Donnerstag, 20. November 2003
5 Ausreden, falls de jiddische Mame das Weblog entdeckt.
Vorbemerkung: Der Verfasser hat und kennt keine "jiddische Mame" im Sinne der Frauen, wie wir sie in Southpark oder die Nanny erleben. Solche Darstellungen sind natürlich nur schlimme Klischees. Allerdings sind die Medien daran schuld, dass sich diese Klischees stilbildend verbreiten und ausserhalb des Judentums Anhängerinnen finden. Deshalb hier aus den jahrtausendelangen Erfahrungen im Umgang mit der jiddischen Mame Tipps, wie man reagiert, so sie das Weblog findet. Angenommen, man kam nach dieser psychodelischen Heimfahrt



zum Rechner und verfasste den aktuellesten Beitrag in bester jüdischer Tradition als da Remix von daAli G. vs. da Georg Kreisler:

Uceda was in da Partyhouse,
erst um 9 schmissen sie in raus,
denn er brach hinter den Flügel.
Das nehmen ihm die Goldbergs übel.

Und de jiddische Mame ruft am nächsten Morgen an und fragt, was das heisst - Dann stelle man sich hin und sage aus dem vollen Brustton der Überzeugung:

1. Übers Internet bist Du da rangekommen? Quatsch. Kann gar nicht sein. Ne, das waren ein paar RSS von der Festplatte, RSS, das heisst Restdateien Secure Search, und Blogger ist eigentlich, wie der Name schon sagt, ein Blockierer, dass das nicht ins Internet kommt, ja, das ist so eine besondere Funktion, aber wenn Du das gemacht hast, dann ist brennt bald der Prozessor durch, und ich muss schauen, ob wir das noch über Garantie reparieren lassen können! Mach ihn sofort aus! Mist...Mama, ich hab doch gesagt, mit dem Internet muss man vorsichtig sein...wahrscheinlich alles kaputt...die Texte mit den Orgien, das waren nur Literaturzitate von Henry Miller für meine Seminararbeit...jetzt muss ich alles nochmal machen, nein...

2. Ich mache das nur, um entdeckt und Schriftsteller zu werden und später mal den Nobelpreis zu bekommen!

3. Ich mache das nur, weil ich damit mit der Naomi (Medizinstudentin, 9. Semester) von meinen Fortschritten berichten kann, die später den Nobelpreis bekommt!

4. Ich mache das gar nicht. Das hat David (Bruder von Naomi, Medizinstudentin 9. Semester, hat der jiddischen Mame ganz deutlich gesagt, dass sie auf die Hochzeit mit ihrem missratenen, stinkfaulen, quakespielenden, webaffinen Sohn warten wird, bis die Gehenna zufriert) gemacht um mich anzuschwärzen!

Das alles sind gute Ausreden. Sie ziehen meistens. Falls sie nicht ziehen, muss man zum Äussersten greifen. Das ist natürlich eine Guerilla-Methode, die höchsten Einsatz und Aufopferung verlangt. Hinterlistig, aber wirkungsvoll.

5. Dein XXX (Name des letzten Gerichts, im Falle des Autors Apfelstrudel) war so lecker, kann ich noch was davon haben?

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die "jiddische mame" und ihr bild
finden Sie nicht nur in der nanny, sondern auch in der witzesammlung der salcia landmann ("der jüdische witz")

schuldigung, dass mit der siefreien zone habe ich gezz ers gesehn

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De Jiddische Mame ist wie rosarote Drachen
Alle haben sie im Film gesehen und als Kind davon gehört. Aber in der Realität? Nur ausserhalb des Judentums. Die beste jiddische Mame, die ich kenne, ist Griechin und griechisch-orthodox.

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Ha, ha, sehr komisch.
Und als nächstes erzählst Du uns, Hühnerbrühe wachse auf Bäumen, was?

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Nein! Nie!
Chicken Soup darf man natürlich aus der Küche der Mame zu sich nehmen. Und nicht von so dahergelaufenen Bäumen, die vielleicht sogar deutsche Eichen sind. Oder noch schlimmer, Weihnachtsbäume.

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Der Klassiker schlechthin
ist dieses Rezept. Ist auch nicht so schlicht, sondern eher was für alle, die schon qua Namen eine gewisse Affinität zum Hantieren mit Töpfen aufweisen. Dauert gerade mal 24 bis 27 Stunden, bis diese Chicken Soup fertig ist.

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Danke!
Das Rezept liest sich sehr glaubwürdig und authentisch. Und eindeutig von einer ostjüdischischen Mame geprägt, passt mir grad recht.

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Bitte.
Ich fühle auch immer schon die Versuchung, in Richtung Kochblog abzurutschen. Wobei ich persönlich mit ostjüdischer Küche nur wenig anzufangen weiss. Hingegen die fränkischen/mittelbayerischen Spezialitäten, da bin ich doch ganz schön affin. Aber auch da ist nicht alles unbedingt geschmackvoll: Das klassische Frankfurter Kochbuch für die jüdische Hausfrau würde einen Vegetarier praktisch verhungern lassen, oder an Süssigkeiten ersticken (s.a. Apfelstrudel)

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Ostjüdische Küche rules!
Kascha, Varnischkes, Pirogi, Borschtsch (sorry für Schreibung, hier setzt mein Spellcheck komplett aus). Und Vieles davon vegetarisch (weil die im Schtetl echt scheißarm waren).

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Und aus ebenjenem Grunde
hat man damit seine Probleme. Mein Gaumen legt in Prag eine Vollbremsung hin, und ich habe noch (fast) jeden in die Pizzeria umgelenkt, der mich in das jüdische Lokal um die Ecke schleifen wollte. Ich kann mit sowas einfach nichts anfangen. Nicht mal drin rumstochern.

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