Freitag, 4. Februar 2005

Entsiedlungs-Blues
1982 musste Avi Farhan schon mal gehen. Damals lebte er auf dem Sinai, bis dann die Israelis die dortigen Siedlungen räumten. Avi Farhan hatte damals keine andere Wahl, als die Entscheidung der Likud-Regierung unter Begin zu akzeptieren. Nur ging er danach nicht nach Israel, sondern als einer der ersten Siedler in den gaza-Streifen. Und der soll jetzt unter der grossen Koalition unter Sharon geräumt werden. Avi Farhan hat wieder keine Wahl. In seiner Siedlung Elei Sinai haben viele bereits die Umsiedlung akzeptiert und die staatlichen Beihilfen akzeptiert. Farhan nicht.

Denn Farhan will im Gaza-Streifen bleiben. Nach eigenen Aussagen hat er jetzt die Schnauze voll genug von der Regierung der Israelis. Dann bleibt er lieber unter palästinensischer Herrschaft, aber nochmal umziehen kommt nicht in Frage.

Was sich im ersten Moment wie das Genörgel eines alten Spinners liest, könnte dennoch ein paar Fragen aufwerfen. Zum Beispiel: Was würde die Autonomiebehörde machen, wenn einzelne Siedler tatsächlich bleiben wollten und den palästinensischen Staat als den ihren betrachten? Was, wenn sie ernsthaft bleiben wollen? Würde man sie lassen?Oder sie vor den Augen der Weltöffentlichkeit vertreiben, während man ansonsten vom Zusammenleben spricht?

Das Thema ist brisant, weil der Gazastreifen eine enorme historische Bedeutung hat: Hier waren Juden während der letzten beiden Jahrtausende dauerhaft sesshaft, hier gab es eine jüdische Tradition, die erst durch den Unabhängigkeitskrieg unterbrochen wurde. Und diese Tradition war davor lange Zeit gut und friedlich. Was also, wenn Avi Farhan und andere dauerhaft bleiben wollen?

Kann sein, dass man sich den Namen merken sollte..

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