Donnerstag, 25. Dezember 2003
Gestern kam der
komische Typ in Rot - oder auch nicht - an meiner Tür musste er jedenfalls draussen bleiben, falls er da gewesen sein sollte - und heute putzt man auch seine Gefolgschaft von den Plätzen der Stadt:



Nur falls Sie auf der Suche sind - hier bitte nicht mehr schauen. Hier ist nichts mehr.

Wirklich nicht.

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Minority Knaller 2003
Ich betrachte die Gebräuche meiner nichtjüdischen Umwelt mit einer Mischung aus Neugier, Interesse und manchmal auch Entsetzen. Das liegt vor allem daran, dass ich in mein Studium viel mit Patristik und Religiosität zu tun hatte. Als ich die historischen und bis heute gültigen theoretischen Grundlagen des Christentums kennenlernte, war ich angehender Wissenschaftler, und es liegt in der Natur der Sache, dass ich das Christentum bar aller frommen Lügen und Märchen, die man Christen in jungen Jahren als unumstössliche Tatsachen beibringt, auf den Schreibtisch bekam. Kein ernstzunehmender Kirchenhistoriker würde heute noch behaupten, es wäre unter Nero eine Christenverfolgung nachweisbar - die beruht auf einer falschen Interpretation des Wortes "Chrestianos" in einem Sammelband des 4. Jahrhunderts. Kurz, für mich ist das Christentum ein banaler Forschungsgegenstand, nicht anders als der Manichäismus, der Baals-Kult oder die antike Götterwelt.

Mein Problem ist, dass mein Wissen mit dem Christentum der frühen nachtridentinischen Zeit endet; das heisst im etwa 17. Jahrhundert. Nun ist das Christentum im Gegensatz zu den anderen oben erwähnten Weltanschauungen noch immer existent, auch wenn seit dem 18. Jahrhundet ein gravierender Niedergang feststellbar ist - übrigens nicht nur aus meiner Sicht, auch die leitenden Vertreter des Christentums beklagen ja ansteigende Kirchenaustritte und Gottlosigkeit. Der Rest dieses Christentums ist aber immer noch da, und gerade um den 24. Dezember herum tun die öffentlich-rechtlichen Anstalten alles, um mich entsprechend upzudaten.

Das geht oft nicht ohne das gleiche Kiefernachuntenklappen ab, das mich weiland schon erfasste, als ich noch - nach heutigem Verständnis - verfassungsfeindliche Texte von Johannes Chrysostomos oder Ambrosius von Mailand las. Jedes Jahr gibt es etliche Informationen, von denen mal sich wünschen würde, man hätte sie nicht gehört - ehrlich, man fragt sich dann, ob die tatsächlich so sind, wie geschildert.

Da war zum einem eine Reportage über die Gänse, die zum 24. Dezember in der Bratröhre enden. Irgendwie ging es dem Beitragmacher darum, die Vorteilhaftigkeit von guten bayerischen Gänsen zu erklären, die noch in Bodenhaltung gezogen und von Hand gestopft werden, bevor sie kollektiv zum Fest der Liebe mit der ökologisch-dynamischen Hand geschlachtet werden. Dazu im Hintergrund viel Geschrei der noch glücklichen Gänse, ein paar Tage vor dem Ende. Eine Runde kaltes Kotzen angesichts dieser Vorfreude beim Betrachten der zukünftigen Bratleichen: Wäre ich noch kein Vegetarier gewesen, dieser Beitrag hätte mich dazu gemacht.

Kleine Zwischenbemerkung: Ich bin sicher nicht besonders religiös und stehe manchen Regelungen der jüdischen Religionsgesetzen eher ablehnend gegenüber - aber die Verpflichtung, bei Fleich nicht einfach auf den Koscher-Stempel zu gucken und das dann in sich reinzustopfen, sondern sich bitteschön vorher gründlichst zu überlegen, ob es wirklich nötig ist, ein Geschöpf für den privaten Gaumen abzumurksen - diese Regelung finde ich mehr als gut. Es geht bei den jüdischen Essensregeln nicht um den Stempel des Rabbinats, es geht um ein verantwortliches Handeln gegenüber der Natur. Und wer als überzeugter Jude Fleisch isst*, hat wegen der Trennung von Fleisch- und Milchprodukten massig Aufwand damit zu betreiben: Zum beispiel zwei Küchen, was in den Grossstädten praktisch nicht bezahlbar ist. (Lacto-)Vegetarisnus ist einfach praktischer. Und hey, meine handgemachte Steinpilzlasagne gestern...

Die Lasagne gab es gestern. Das war auch gut so. Denn heute kam was im Radio über Missionierungen in Afrika, danach gab es das kalte Kotzen (tm) Teil 2. Ich muss irgendwie noch schnell meine Anwältin fragen, wie ich das so formuliere, dass es im Rahmen des BGB bleibt. Morgen mehr.

*Verschrieben und geändert. Der Redaktör.

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